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Ein Blick auf die internationale Leichtathletik mit Valentina Fedjuschina

v.l.n.r. Anna Kirnova, Valentina Fedjuschina und Dobromir Karamarinov (C) ÖLV

Die österreichische Leichtathletik-Managerin ist eine der erfolgreichsten Athleten-Vertreterinnen in der Leichtathletik und wird auch 2023 erneut um einen Platz im World Athletics-Council kandidieren. Gemeinsam mit ihr wollen wir auf die internationalen Auswirkungen der Corona-Virus-Pandemie blicken.

Die 55-jährige, gebürtige Sowjetrussin startete in ihrer Karriere dreimal bei Olympischen Spielen im Kugelstoßen - und zwar für drei verschiedene Länder. 1988 für die Sowjetunion (13.), 1996 für die Ukraine (12.) und 2000 dann für Österreich (12.). Seit 1996 lebt sie mit ihrem Mann Wolodymir Sintschenko in Lissabon, Portugal, wo ÖLV-Generalsekretär Helmut Baudis sie auch für dieses Gespräch erreichte.

Wie ist die Situation in Portugal derzeit? In den österreichischen Medien ist nur wenig darüber zu lesen, aber unser Außenministerium hat eine Reisewarnung für Portugal ausgesprochen.

Fedjuschina: "In Portugal ist die Situation so wie in ganz Europa auch. Stand heute gibt es 20.000 Infizierte, mit den meisten Fälle im Norden Portugals. Nur Apotheken, Banken und Supermärkte sind geöffnet, alles andere ist geschlossen. Wir müssen zu Hause bleiben und können nur für Besorgungen hinaus, oder wenn wir mit dem Hund spazieren gehen. Um in die Arbeit fahren zu können, muss man Dokumente des Dienstgebers vorweisen. So wie in Österreich müssen wir Abstand halten, das Tragen von Masken wird stark empfohlen, ist aber nicht verpflichtend. Alle Schulen, Kindergärten und auch die Flughäfen sind geschlossen."

Ist Leichtathletik-Training derzeit in Portugal möglich?

Fedjuschina: "Alle Sport-Einrichtungen sind geschlossen. Die Athleten trainieren alle zu Hause, haben sich teilweise die Sachen zum Gewichtheben mit nach Hause genommen. Mein Mann trainiert seine Athleten online mittels WhatsApp und Skype."

Du bist eine sehr erfolgreiche Athleten-Vertreterin in der Leichtathletik und hast Athleten rund um den Globus unter Vertrag. Wie ist die Situation für deine Sportler?

Fedjuschina: "Die meisten meiner Athleten sind vom Shut-Down betroffen und trainieren zu Hause. Sie versuchen sich bestmöglich in Form zu halten für eine eventuelle EM in Paris Ende August bzw. bereiten sich auf die Olympischen Spiele 2021 vor. Andrius Gudizus (LTU), Diskuswurf-Weltmeister 2017, hat perfekte Bedingungen zu Hause, mit einer perfekten Kraftkammer und einer großen Freiluft-Fläche, wo er Diskus werfen kann. Dasselbe kann ich vom Diskuswurf-WM-Vierten Alin Firfirica (ROU), von Kugelstoßer Jacko Gill (NZL) und Diskuswerferin Claudine Vita (GER) berichten. Ich denke, alle Länder haben dieselben harten Beschränkungen, aber jene, die ein eigenes Haus mit Freiflächen haben, haben bessere Möglichkeiten um annähernd normal zu trainieren."

Wie ist die Situation für dein Geschäft derzeit? Sehr schlecht, denke ich, denn wenn keine Wettkämpfe stattfinden, dann hast du kein Einkommen.

Fedjuschina: "Ja, du hast recht. Ich bin Freiberuflerin und völlig abhängig von den Meetings. Wir hatten eine gute Hallensaison mit einigen Erfolgen. Auch die Ausrüstungsfirmen unterstützen weiterhin sehr und helfen den Athleten, dass sie diese harten Zeiten finanziell überstehen. Als eine Optimistin hoffe ich sehr, dass die Schwierigkeiten bald vorüber sind und wir unser Leben mit den gewohnten Aktivitäten wieder beginnen können. Ich hoffe, dass wir noch eine Freiluft-Saison 2020 haben werden, halt später im September."

Die Olympischen Spiele werden 2021 in Toyko stattfinden. World Athletics hat entschieden, die Olympia-Qualifikation bis 30. November 2020 auszusetzen. Was sagst du dazu?

Fedjuschina: "Ich weiß, dass diese Entscheidung von der Athletenkommission dem World Athletics-Council vorgeschlagen wurde und ich denke, dass es fair ist. Denn die Athleten haben nicht die gleichen Voraussetzungen, um sich vorzubereiten. Auch wenn die Freiluft-EM in Paris heuer stattfinden sollte, ist nicht sicher, ob alle Europäer aufgrund der Virus-Pandemie auch wirklich teilnehmen können. Außerdem hat die WADA Probleme ihre strengen Kontrollen fortzusetzen und es ist nicht auszuschließen, dass einige Athleten, die Krise nützen, um zu betrügen.

Meiner Meinung nach ist das Aussetzen des Qualifikationsprozesses kein großes Problem, denn alle, die bereits das Limit erreicht haben, behalten ihren Fixplatz auch 2021. Und alle jene, die sich noch qualifizieren müssen, haben noch sieben Monate Zeit, von 1. Dezember 2020 bis 29. Juni 2021. Ich denke, wir müssen die Realität akzeptieren und das Training fortsetzen. Die allerwichtigste Aufgabe ist jetzt, gesund zu bleiben."

Welche Auswirkungen siehst du insgesamt für die Leichathletik? Wirtschaftlich wird es für einige Athleten, Veranstalter, Sponsoren, Verbände und Vereine schwierig werden.

Fedjuschina: "Ja, es sind schwierige Zeiten für die Leichtathletik, aber auch für alle anderen Sportarten, denn die beginnende Wirtschaftskrise ist eines der Ergebnisse der Pandemie. Ich befürchte, dass verschiedenste Unterstützungen verringert werden, von World Athletics, von Sponsoren, von den Verbänden, den Vereinen, etc. Ich denke, dass wir viele Athleten verlieren werden, die nicht mehr weitertrainieren können, weil sie Vollzeit zu arbeiten beginnen müssen, um ihren Familien das Überleben zu sichern. Uns stehen neue berufliche Herausforderungen bevor, dass ist die traurige Realität."

Danke für das Gespräch. Fotos (C) Privat

Who ist Who - Valentina Fedjuschina

In ihrem österreichischen Reisepass steht Walentina Fedjuschina - und auch für ihren Nachnamen gibt es je nach Übersetzung verschiedenste Schreibweisen. Fedjuschina hält die österreichischen Rekorde im Kugelstoßen, in der Halle mit 18,67m (2000) und im Freien mit 19,21m (1999). Sie hat als eine von World Athletics anerkannte Athleten-Managerin 40 Leichtathleten mit Top-30-Platzierungen in der Weltrangliste unter Vertrag. Eine Auswahl ihrer Athlet/innen ist nachfolgend zu finden.

Männer

Diskuswurf: Andrius Gudzius, LTU, 69.59m, Weltmeister 2017; Alin Firfirica, ROU, 67,32m, WM-Vierter 2019; Traves Smikel, JAM, 67,72m | Speerwurf: Edis Matusevicius, LTU, 89.17m, U23-Europameister | Kugel: Jacko Gill, NZL, 21.57m, WM-Siebenter 2019 | 100m: Emre Zafer Barnes, TUR, 10.04s, Hallen-EM-Zweiter | 400m Hürden:  Alison Santos, BRA, 48,25s, WM-Siebenter 2019 | 5000m: Ali Kaya, TUR, 13.00,31min 3facher Europameister | Dreisprung: Alexis Copello, AZE, 17.63m, WM- und EM-Dritter; Nazim Babyev, AZE, 17,29m, Hallen-Europameister 2019 | Hochsprung: Ryo Sato, JAP, 2.28m

Frauen

Hochsprung: Iryna Gerashchenko, UKR, 1.99m, EM-5., WM-7. | Dreisprung: Olga Rypakova, KAZ, 15,25m, Olympiasiegerin, 3 WM- und 3 Olympia-Medaillen; Diana Zagainova, LTU, 14.43m, EM-Gold | Kugel: Daniella Hill, USA, 19.86m | Diskuswurf: Claudine Vita, GER, 66.30m | Speerwurf: Liveta Jasiunaite, LTU, 63.98m, EM-Dritte 2018 | Hammerwurf: Martina Hrasnova, SVK, 76.90m, WM-Dritte, Iryna Klymets, UKR, 73.56m, WM-5. 2019 | Weitsprung: Nektaria Panagi, CYP, 6,72m.

Und ihre junge "Next Generation"

  • Dreisprung: Aleksandra Nacheva, BUL, Jg. 2001, 14.18m, U20-Weltmeisterin
  • Kugelstoß: Maddison Lee Weshe, NZL, Jg. 1999, 18,32m, U20-Weltmeisterin
  • Diskuswurf: Connor Bell, NZL, Jg. 2001, 63,25m
  • 100m: Eddie Odeia Nketia, NZL, Jg. 2002, 10,18s

19/04/20 14:06, Text: Helmut Baudis

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