Als Nummer 1 der Meldeliste über 110m-Hürden kam Enzo Diessl (SU Leibnitz) nach Bergen, die Konkurrenz schob ihm also den Favoritenstatus zu. Der U20-Europameister von 2023 hatte es letztes Jahr ja schon zu den Olympischen Spielen nach Paris geschafft, seine vor wenigen Wochen in St.Pölten erzielten 13,20s belegten eine weitere Steigerung. Der 21-Jährige startete verhalten in seinen Vorlauf, ab der vierten Hürde ließ er aber keine Zweifel am Laufsieg aufkommen, konnte nach der letzten Hürde sogar locker auslaufen. Mit seinen 13,44s (-0,1) war der Staatsmeister sogar Tagesschnellster unter allen 35 Läufern. Morgen geht es für den Steirer also im Halbfinale, das um 16:10 Uhr angesetzt ist, weiter im Kampf um das Finale.
„Der erste Lauf ist bei einem Großereignis immer der schwierigste. Den Start habe ich total verschlafen, dann bin ich aber gut ins Laufen gekommen. Wenn man weiß, dass ein Weiterkommen einfach Pflicht ist muss man richtig dosieren. Das ist gerade über die Hürden echt keine einfache Aufgabe, sogar der schwierigste Teil. Ich habe nicht zu viele Kräfte vergeudet, jetzt gilt die Konzentration dem Semifinale.“

Timo Hinterndorfer (DSG Wien) ist ein Mann für Großereignisse, das hatte er als 5.000m-Achter der U20-EM 2023 sowie bei den Halbmarathon-Europameisterschaften 2024 und 2025 schon bewiesen. Diesmal ging er über die 10.000m an den Start, auf dieser Distanz hatte er im Frühjahr seinen ersten Staatsmeistertitel gefeiert. Zu Beginn hielt sich der Wiener zunächst in der Mitte des geschlossenen Feldes auf, die Durchgangszeiten nach 2, 4 und 6 Kilometern lauteten 5:54, 11:50 und 17:43, sehr konstant also. Dann setzte sich eine sechs Mann starke Spitzengruppe ab, die Verfolger um Hinterndorfer konnten aber wieder aufschließen. Die Tempowechsel setzten sich fort, nach 8km lautete die Zwischenzeit des 21-Jährigen Österreichers 23:40, er lag auf Position 13 und Kurs auf neue PB, die bislang bei 29:53,99 min stand. Der Staatsmeister, laut Meldeliste die Nr. 21, hielt Platz 13 bis ins Ziel und durfte sich mit 29:39,17 min einen neuen Hausrekord anschreiben lassen. Der Sieg ging in einem spannenden Sprint einer großen Gruppe in 29:05,45 min an Joel Ibler Lillesø (DEN).
„Das Rennen hat sich genau so entwickelt wie ich es mir gedacht hatte. Leider war es bei mir heute nicht so locker wie erhofft, die Hitze hat mir schon ordentlich zugesetzt und am Ende war keine Kraft mehr da schneller zu werden. Die neue PB ist zwar nett, aber ich wollte unter die Top-10, das habe ich knapp nicht geschafft. Das ist in so einem starken Feld sicher nicht so leicht, da hätte es einen bissl besseren Tag gebraucht.“

Über 100m Hürden der Frauen ist der ÖLV traditionell stark vertreten, heuer gab es bei den U23-Meisterschaften sogar eine interne Qualifikation um die drei EM-Startplätze. Als ÖLV-Jahresschnellste U23-Athletin ging heute Isabelle Engel (SU Leibnitz) als aussichtsreiche des Trios ins Rennen, sie hatte sich den Einzug ins Semifinale als Ziel gesetzt. Nach den ersten Hürden lag die 20-Jährige allerdings noch nicht in den Top-3, nur diese und die sechs Zeitschnellsten kamen eine Runde weiter. Dann gab die Steirerin aber so richtig Gas und schob sich kontinuierlich nach vor, nach den 10 Hürden standen 13,66s (-1,5) auf der Anzeigetafel. Mit Rang 3 in diesem Heat war auch ein Platz im morgigen Halbfinale fixiert, die letztjährige U20-WM-Starterin hat also wie ihr Vereins- und Disziplinenkollege Enzo Diessl noch einen zweiten Auftritt bei dieser U23-EM.
„Ich bin mega happy morgen noch einmal laufen zu dürfen. Das war mein erstes großes Ziel, das kann ich einmal abhaken. Es war sicher nicht das perfekte Rennen, aber für diesen Gegenwind ist die Zeit richtig gut. Zu Beginn habe ich mich heute etwas treiben lassen, erst ab der fünften Hürde richtig Gas gegeben. Ich wollte keinesfalls Vierte werden, sondern es ins Semifinale schaffen. Ich freue mich richtig auf morgen, auf ein cooles Rennen und werde dort von der ersten Hürde weg anzugreifen.“

Als eine der letzten hatte Nicole Prauchner (TGW Zehnkampf-Union) den Sprung ins EM-Team geschafft, nun war sie also in Bergen über 800m am Start. Für die 27. der Meldeliste war der Finaleinzug außer Reichweite, denn nur die Top-8 schafften den Aufstieg. Auf der ersten Runde blieb das Feld geschlossen, die Niederösterreicherin positionierte sich innen und hatte nach 400m eine für sie optimale Durchgangszeit von 1:02,00min. Als auf der Gegengerade die „Post“ abging, blieb die 21-Jährige ruhig, um ihre Körner nicht zu früh zu verschießen. Zwar ging eine Lücke zur Spitze auf, auf der Zielgerade kam Prauchner aber noch einmal auf und machte wieder Plätz gut. Mit 2:05,80min fehlten ihr nur 29/100s auf ihre PB, in der Endabrechnung bedeutet das Rang 21.
„Die Mädels sind die ersten 200m sehr schnell angegangen, das hat mir etwas einen Shock im System verursacht und das Rennen sehr anstrengend gemacht. Die Durchgangszeit hat sehr gut gepasst, dann war mir wichtig geduldig zu bleiben und nicht zu früh zu kicken um am Ende noch einen guten Endspurt zu haben. Ich habe meine Zeit also bestätigt, da kann ich damit zufrieden sein und das mitnehmen.“

Ava Mariana Testa (ATSV OMV Auersthal - Athletics 22) hatte über die 100m Hürden vor wenigen Tagen erst ihren ersten österreichischen Meistertitel gefeiert, heute waren die ihr damals gut gesinnten Hundertstel aber nicht auf ihrer Seite. Die erste Rennhälfte absolvierte die in den USA lebende Studentin ausgezeichnet und lag sogar auf Position zwei, dann musste sie aber noch zwei Konkurrentinnen vorbeiziehen lassen und finishte nach 13,69s (-1,3) als Vierte in ihrem Vorlauf. Die Hoffnung über die Zeit noch weiterzukommen erfüllte sich für die 20-Jährige leider nicht, sie verpasste als 25. den Semifinaleinzug um einen Platz bzw. 5/100s.
„Ich bin sehr gut aus den Blöcken gekommen, aber bei einigen Hürden hatte ich zuviel „airtime“, benötigte also zulange um wieder am Boden zu sein. Dadurch verliere ich an Tempo, das merkt man dann hinten raus. Wir trainieren zwar auch oft mit Gegenwind, aber es war nicht einfach heute. Auch wenn ich den Aufstieg knapp nicht geschafft habe bin ich mit der Saison sehr zufrieden. Sie dauert ja für mich schon sieben Monate, ich bin also nicht mehr so richtig frisch. Aber ich bin sehr konstant mittlere 13er-Zeiten gelaufen und habe mich gut weiterentwickelt.

Hürdensprinterin Nina Mayrhofer (SVS LA) war schon 2020 für die U18-EM qualifiziert, die dann wegen der Corona-Pandemie nicht stattgefunden hat. Für die U20-WM 2022 wurde sie nach einer Verletzung nicht rechtzeitig fit, nun feierte die 21-Jährige über die 100m Hürden also endlich ihr internationales Debüt. Der Start in ihrem Vorlauf gelang der Niederösterreicherin ausgezeichnet, dann merkte man ihr aber doch die fehlenden Hürdenwettkämpfe an und sie musste auf der zweiten Rennhälfte hart um den Anschluss kämpfen. Mit 13,93s (0,5) und Endrang 36 konnte sich Mayrhofer aber gegenüber der Entry-List um acht Plätze verbessern.
„Die ersten zwei Hürden haben sich richtig gut angefühlt, dann musste ich aber schon früher kämpfen als normalerweise. Aber es war wieder unter 14 Sekunden, es war ja kein einfacher Weg dorthin. Mir fehlt noch das Vertrauen das Tempo mit in die Hürde zu nehmen, daher verliere ich im Laufe des Rennens an Geschwindigkeit. Den Grundspeed hätte ich, aber ich traue mich noch nicht richtig. Aber ich war nach meinem Comeback endlich bei einer EM dabei, da bin ich sehr happy.“

Der Zeitplan der ÖLV-Athlet:innen
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Datum |
Zeit |
Bewerb |
Kategorie |
Athlet/in |
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18.07. (FR) |
09:05 - - - - - 15:35 16:10 19:15 19:30 19:50 |
Stabhochsprung (Q) - - - - - 100m Hürden (SF) 110m Hürden (SF) 100m Hürden (EL) 110m Hürden (EL) 10.000m (EL) |
Frauen - - - - - Frauen Männer Frauen Männer Frauen |
Gruber - - - - - Engel Diessl Engel Diessl Lassacher |
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19.07. (SA) |
11:50 13:20 - - - - - 18:10 18:30 |
Diskuswurf (Q Gruppe A) Diskuswurf (Q Gruppe B) - - - - - Stabhochsprung (F) 5.000m (EL) |
Frauen Frauen - - - - - Männer Männer |
Ladinig (?) Ladinig (?) - - - - - Auer Hinterndorfer |
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20.07. (SO) |
10:40 12:32 - - - - - 16:35 17:50 |
Stabhochsprung (F) 4x100m (VL) - - - - - 5.000m (EL) 4x100m (EL) |
Frauen Männer - - - - - Frauen Männer |
Gruber Diessl, Förster, Klimov, Lang, Margaryan - - - - - Bauer, Lassacher Diessl, Förster, Klimov, Lang, Margaryan |
Links
Fotos (Bilder honorarfrei verwendbar bei Nennung © ÖLV / Sonja Maleterova)
Liveübertragung auf ORF
Der ORF überträgt die U23-EM von Donnerstag bis Sonntag erstmals und zur Gänze auf ORF Sport+ bzw. ORF ON live. Kommentatoren: Uwe Holli und Bernhard Schmid. Der Fokus bei dieser Übertragung liegt auf den Athleten der Nationen Österreich – Deutschland - Schweiz, es sollten also nahezu alle sportlichen Aktionen der heimischen Athleten zu sehen sein.
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18.Jul.2025 |
08:55 |
14:00 |
ORF Sport+ |
LIVE Vormittag - Tag 2 |
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18.Jul.2025 |
15:25 |
18:55 |
ORF Sport+ |
LIVE Nachmittag - Tag 2 |
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18.Jul.2025 |
15:25 |
21:00 |
ORF ON |
LIVE Nachmittag - Tag 2 |
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19.Jul.2025 |
08:55 |
12:25 |
ORF Sport+ |
LIVE Vormittag - Tag 3 |
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19.Jul.2025 |
08:55 |
14:00 |
ORF ON |
LIVE Vormittag - Tag 3 |
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19.Jul.2025 |
17:00 |
21:15 |
ORF ON |
LIVE Nachmittag - Tag 3 |
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19.Jul.2025 |
21:00 |
23:00 |
ORF Sport+ |
LIVE/zeitversetzt Nachmittag - Tag 3 |
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20.Jul.2025 |
09:55 |
13:30 |
ORF Sport+ |
LIVE Vormittag - Tag 4 |
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20.Jul.2025 |
15:30 |
15:50 |
ORF Sport+ |
LIVE Nachmittag - Tag 4 |
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20.Jul.2025 |
15:30 |
20:00 |
ORF ON |
LIVE Nachmittag - Tag 4 |
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20.Jul.2025 |
18:00 |
20:00 |
ORF Sport+ |
LIVE Nachmittag - Tag 4 |
das ÖLV-Nationalteam wird bei der U23-EM unterstützt von:

Fotos: ÖLV / Sonja Maleterova