Anna Plattner hat am heutigen Freitag die beste österreichische Platzierung in der Geschichte von Trailrunning-Weltmeisterschaften überhaupt erzielt. Die Tirolerin finishte den anspruchsvollen Short Trail Bewerb auf dem fünften Platz und übertrumpfte damit den neunten von Sandra Koblmüller aus dem Jahr 2017, als die Trailrunning-Weltmeisterschaften noch von der AIU ausgetragen wurden. Die WMTRC 2025 ist die dritte im kombinierten Format mit dem Berglauf und unter dem organisatorischen Dach von World Athletics.
Bei schönstem Wetter und vor der herrlichen Kulisse der spanischen Pyrenäen, aber bei empfindlich kühlen Temperaturen beim Startschuss um 8 Uhr morgens im Tal und auf den Bergen, starteten 162 Läuferinnen aus 53 Nationen in den Short Trail der Frauen. Plattner lag über gesamte Wettkampfzeit in den Top-Fünf und feierte mit dieser Platzierung ihren größten internationalen Erfolg ihrer Karriere. Die beiden weiteren Österreicherinnen Isabell Speer und Nora Havlinova belegten die Plätze 39 in einer Zeit von 6:23:37 Stunden bzw. 92 in einer Zeit von 7:34:09 Stunden. In der Nationenwertung, die von Schweden, Spanien und Frankreich angeführt wurde, belegte das rot-weiß-rote Team mit einer Gesamtzeit von 19:43:26 Stunden Rang zwölf unter mehr als doppelt so vielen klassierten Nationen mit drei oder mehr Finisherinnen.
Anna Plattner:
„Mein WM Debüt hätt ich mir nicht besser erträumen können. Es war von Start bis Ziel ein auf und ab von Emotionen, purer Freude und eigenem Pushen, weiterzukämpfen, wenn es aus der Komfortzone ging! Aktuell fehlen mir noch die Worte – es war ein geniales Erlebnis!“
Isabell Speer:
„Ich habe mich riesig gefreut, erstmals für eine Trailrunning-Weltmeisterschaft nominiert worden zu sein. Das ist eine Riesenehre für mich und daher mein Saisonhighlight. Es war ein abwechslungsreiches Rennen, bei wunderbarem Wetter in einem sehr technischen Gelände. Im ersten Anstieg ist plötzlich ein Bienenschwarm aufgetaucht. Ich wurde an fünf Stellen gestochen, konnte aber im Gegensatz zu anderen weiterlaufen. Ich bin happy mit dem Ergebnis – ich konnte mich über die gesamte Distanz solide in den Top-40 halten.“
Nora Havlinova:
„Für mich ist es eine Riesenehre, Österreich erstmals bei einer WM vertreten haben zu dürfen. Leider habe ich relativ früh schon Schmerzen wegen Blasen bekommen, daher war es mental ein harter Tag. Ich bin sehr happy, dass ich den Wettkampf durchgezogen habe.“
Auf Medaillenkurs im ersten Renndrittel
Anna Plattner eröffnete den Wettkampf offensiv und zeigte ihre Klasse im ersten und gleichzeitig schwierigsten Anstieg hinauf zum Pico La Moleta. Dort musste das Feld gleich nach wenigen Kilometern eine unerwartete Herausforderung bewältigen. Ein Wespenschwarm attackierte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, etliche auch chancenreiche Sportlerinnen und Sportler mussten sich im Laufe des Rennens wegen Stichen medizinisch versorgen lassen oder gar den Wettkampf beenden.
Die Österreicherin kam unversehrt durch und erreichte den Gipfel nach 1:12:52 Stunden. Zu diesem Zeitpunkt lag sie drei Minuten hinter der überlegenen neuen Weltmeisterin Tove Alexandersson aus Schweden auf dem zweiten Platz knapp vor Teresa Hrochova aus Tschechien und Caroline Kimutai aus Kenia, die später ausstieg. Im folgenden Downhill kam Bewegung in die Positionierung hinter der Skandinavierin. Die Britin Naomi Lang arbeitete sich bis zur zweiten Zwischenzeit bei Kilometer 16,4 auf die zweite Position vor und machte in dieser Sektion fünf Minuten Zeit auf Plattner gut, die als Dritte die Zeitnehmungsmatte passierte.
Hinauf zum zweiten Gipfel des Tages, dem Pico Larraca, verlor die 32-jährige Tirolerin ihre Position unter den Top-Drei an die Spanierin Sara Alonso, die sich bergauf auf den zweiten Platz vor Lang schob. Ab diesem Zeitpunkt rückten die Medaillenränge für Österreichs Beste außer Reichweite, Plattner hielt sich aber weiterhin hervorragend im Wettkampf und lief das historische Top-Resultat nach Hause. Im technisch schwierigen Downhill hinunter nach Canfranc rückte sie der Norwegerin Ida Robsahm noch einmal deutlich näher und verteidigte gleichzeitig Position fünf gegen die Französin Clementine Geoffray. Geoffray war vor zwei Jahren in Innsbruck/Stubai die Weltmeisterin in dieser Disziplin.
Quereinsteigerin mit Liebe zu den Bergen
Anna Plattner hat ihre Wurzeln im Radsport und wurde Anfangs des Jahrzehnts zweimal Österreichische Meisterin im Bergradfahren. 2023 richtete ihr Verein in Itter die Staatsmeisterschaften im Berglauf aus. In ihrem allerersten Berglauf holte sie auf Anhieb die Silbermedaille hinter Serienstaatsmeisterin Andrea Mayr. Obwohl die WMTRC vor ihrer Haustür wenige Wochen später noch ohne sie über die Bühne ging, war die Liebe für das Laufen in den Bergen entfacht.
Seit Sommer 2023 konzentriert sich die aus Hall in Tirol stammende Athletin verstärkt auf das Trailrunning und fand ihre Stärken in steilen Anstiegen und technisch schwierigen Downhills. Im Sommer 2025 holte sie mit Siegen beim Gletscher Trail in Obergurgl (42,3 Kilometer, 2.740m Höhendifferenz) sowie beim KAT 100 in Fieberbrunn (50,3 Kilometer, 3.270 Höhenmeter) auf heimischen Trailrunning-Strecken Siege und Selbstvertrauen für die WM in den Pyrenäen.
Überlegene neue Weltmeisterin im Short Trail ist die Schwedin Tove Alexandersson, die den Bewerb in jeder einzelnen Minute dominierte. In überdimensionierter Überlegenheit erreichte die 33-Jährige, die seit einigen Jahren in Tirol lebt, die Ziellinie in Canfranc nach 5:04:20 Stunden Wettkampfzeit. Ihr Vorsprung auf Silbermedaillengewinnerin Sara Alonso aus Spanien betrug 33:55 Minuten, der Vorsprung auf Bronzemedaillengewinnerin Naomi Lang aus Großbritannien 34:34 Minuten.
Eine Strecke voller Herausforderungen
Die 44,5 Kilometer lange WM-Strecke ist dieselbe, die bei der seit 2007 jährlich ausgetragenen Trailrunning-Veranstaltung „CanfrancCanfranc“ als Marathon-Distanz angeboten wird. Bei diesem Event ist dieser Bewerb gemeinsam mit dem 100km-Ultra das Aushängeschild. Auf dem Programm standen 3.657 Höhenmeter im Anstieg und Downhill zwischen Start und Ziel, beides direkt vor dem ikonischen Bahnhof des spanischen Bergdörfchens.
Gleich nach dem Start mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den schwierigsten Anstieg bewältigen. Binnen sechs Kilometer wurden auf dem Weg zum Gipfel des Pico La Moneta fast 1.500 Höhenmeter überwunden. Damit war der höchste Punkt der Strecke erreicht, 2.572 Meter über dem Meeresspiegel, es folgte ein technisch schwieriger Downhill. Der zweite Anstieg hinauf auf den Pico Larraca war quasi identisch mit der Streckenführung des gestrigen Uphill-Bewerbs. Wo gestern die Ziellinie war, wartete heute, kurz vor Halbzeit der Distanz, eine Verpflegungsstation auf die Aktiven.
Auch die beiden weiteren Anstiege führten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf über 2.000m Meereshöhe. Die Strecke passierte ein Skigebiet und ein Langlauf- und Biathlonzentrum, auf der zweiten Hälfte wurde für einen Abstecher die Grenze nach Frankreich überquert. Wieder zurück auf spanischem Staatsgebiet stand als letzte Herausforderung der finale Downhill auf dem Programm. 122 Kurven waren auch dem technisch schwierigen Stück vom Wandergebiet Collado Estiviellas zur Ziellinie zurückzulegen.
Der Männer-Bewerb ging ohne österreichische Beteiligung über die Bühne. Die Goldmedaille sicherte sich der Franzose Frédéric Tranchand, vor zwei Jahren bei der WMTRC in Tirol noch Neunter. Er verwies in einer Zeit von 4:42:10 Stunden die Spanier Manuel Merillas und Andreu Blanes auf die weiteren Plätze, die damit die ersten Medaillen für die Gastgeber bei diesen Titelkämpfen holten. Ihr viertplatzierter Landsmann Alain Santamaria war bereits gestern am Start und als 14. bester Spanier im Vertical der Männer. Der norwegische Titelverteidiger Stian Angermund musste kurz vor dem Schluss aufgeben.
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