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Ein Stück Rasen als Rekord-Trophäe

(C) ÖLV/Alfred Nevsimal

1.115 Tage musste Diskus-Ass Lukas Weißhaidinger auf einen neuen Rekord warten. Zwei Wurfkreise à 2,5 Tonnen wurden eigens verlegt, einer in Schwechat, der andere in Eisenstadt. 30.000 Trainings-Würfe sind ins Land gezogen, bis der neue Rekord und die 69-m-Barriere endlich fiel. Der WM-Dritte verbesserte seine alte Bestmarke (vom 20. 5. 2018) beim Austrian Top-Meeting in Eisenstadt um sechs Zentimeter auf 69,04 m. Der alte und neue Rekordhalter und der ÖLV-Sportdirektor sprechen im Interview am Tag danach über die besonderen Umstände, die Erleichterung, es endlich geschafft zu haben und über die letzten Wochen bis zu den Olympischen Spielen in Tokio.

Wie fühlt sich dieser Rekord jetzt an?

Lukas Weißhaidinger: „Letztes Jahr haben wir in Schwechat minutiös drei Rekordversuche geplant. Wochenlang haben wir auf den richtigen Tag und die besten Verhältnisse gewartet. Anrufe bei den Wetterwarten inklusive. Ich kam nahe an den alten Rekord heran (68,98 m), genau gesagt bis auf 35 Zentimeter. Aber der Rekord wollte einfach nicht fallen. In den letzten sechs Tagen habe ich drei Meetings bestritten, bin Dienstagabend erst aus Turku zurück. Mein Physio, Freddy Siemes, hat Mittwochvormittag eine Extra-Therapieschicht eingelegt und ist dann auch nach Eisenstadt mitgefahren. Damit wir unter keinen Umständen eine Verletzung riskieren. Ich war mental gut drauf, aber doch ziemlich müde. Beim Aufwärmen habe ich das Laufen schon nach 20 m abgebrochen, um nicht zu viel Energie zu vergeuden. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass ich auch nur in die Nähe des Rekordes komme. Mit 66 m wäre ich – ehrlich gesagt - zufrieden gewesen. Aber wahrscheinlich hat‘s genau deshalb funktioniert. Ich habe keine Sekunde über eine neue Bestmarke nachgedacht.“

Gregor Högler:
„Das ist wieder der Beweis, dass man Rekorde nicht planen kann. Rekorde passieren eben. Auch ich hätte einen 69,04-m-Wurf an diesem Mittwoch in Eisenstadt für absolut unmöglich gehalten. Erst nach dem 1. Versuch war mir klar, dass Lukas richtig gut drauf ist. Der Wurf war 64 Meter weit, aber der Diskus ist ihm beim Abwurf durch die Finger gerutscht. Im Klartext: Er war nicht über den Zeigefinger abgeworfen, sondern über den Mittelfinger. Das kostet gleich ein paar Meter. Nach diesem Versuch haben wir uns gedacht: Es geht vielleicht doch was.“

Der Rekord passierte in Eisenstadt nach 21.30 Uhr. Habt Ihr noch Energie zum Feiern gehabt?

Weißhaidinger: „Zum Laufen nicht…. Zum Anstoßen schon. Aber vorher habe ich noch den Rasenziegel ausgestochen, exakt dort, wo der Diskus gelandet ist. Das Stück Rasen aus Eisenstadt bekommt bei mir einen Ehrenplatz. Was das Feiern betrifft: Ich trinke während der Freiluft-Saison keinen Alkohol. Schon gar nicht in der Olympia-Saison. Einzige Ausnahme: Wenn ich Rekord werfe oder eine Medaille hole. Also ein Schluck Bier als Belohnung durfte in diesem Moment schon sein. Man muss Feste feiern, wie sie fallen.“

Högler:
„In Eisenstadt haben sie extra eine neue Anlage gebaut. Diese erfüllt modernste Qualitätsstandards. Die Verantwortlichen rund um Rolf Meixner sind richtig LA-begeistert, Bürgermeister Thomas Steiner miteingerechnet. Es macht Lukas Spaß, in Eisenstadt zu werfen. Das ist nicht einfach so dahingesagt. Das sieht man an der Körpersprache!“

Gibt’s jetzt einen Tag frei?

Weißhaidinger: „Ich muss noch den Trainer um Erlaubnis fragen (lacht). Ja, er hat mir einen Tag frei gegeben. Am Freitag kommt Dr. Richard Högler, der Bruder von Gregor, in die Südstadt und macht mit mir die monatlichen medizinischen Routine-Tests. Da geht’s darum, dass wir Verletzungen vorbeugen, den Körper genau durchchecken. Fitness ist oberstes Gebot.“

Wer ist aller für diesen Erfolg mitverantwortlich?

Weißhaidinger: „Das muss ich loswerden: Ein Rekord ist Teamsache und ich habe ein richtig bärenstarkes Team: Mit Gregor als Trainer, der 24 h am Tag über Diskuswerfen, Medaillen und Rekorde nachdenkt, sieben Tage die Woche, und einem starken Verband im Hintergrund. Mit Richard (Högler) als Arzt, Patricia Hana als Masseurin und Freddy Siemes als Physiotherapeut. Das sind nur die Namen aus dem sportlich-medizinischen Bereich. Da sind auch noch viele andere beteiligt, denen ich richtig dankbar bin!“

Wie sieht jetzt der weitere Fahrplan Richtung Olympia aus?

Högler: „Ab sofort schieben wir wieder einen Trainingsblock ein, machen einen zweiten Formaufbau – forcieren nochmals das Kraft- und Techniktraining. Die restlichen Meetings vor Olympia – die Staatsmeisterschaften in Graz Ende Juni und die Diamond-League-Meetings Anfang Juli in Oslo und Stockholm – wirft Lukas alle aus dem Training heraus. Damit wir für den Tag X noch um ein paar Prozent besser werden.“

Text: ÖOC/W. Eichler

10/06/21 11:16, Text: Bernhard Rauch

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