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Rekord-Titel für Mayr, Premiere für Hochenwarter

© GEPA Pictures

Mit ihrem 57. Titel bei Staatsmeisterschaften und Österreichischen Meisterschaften ist Andrea Mayr (SVS Leichtathletik) nach ihrem heutigen Sieg beim Katrin-Berglauf in Bad Ischl die alleinige Rekordhalterin in der österreichischen Leichtathletik vor Karoline Käfer. Bei ihrem Saisoneinstieg zeigte sich die Oberösterreicherin gut in Schuss und siegte in gewohnter Überlegenheit. An der Spitze des Männerrennens entwickelte sich ein spannendes Duell zwischen Christof Hochenwarter (SC Hermagor) und Manuel Innerhofer (LC Oberpinzgau). Im Schlagabtausch am finalen Steilhang hatte der Kärntner nach Attacke und Gegenattacke das bessere Ende für sich und feierte seinen Premierentitel.

Als überlegene Siegerin erreichte Andrea Mayr das Ziel auf der Katrin nach 36:39 Minuten. „Ich bin voll zufrieden, es hat alles super gepasst und das Laufgefühl war durchgehend gut“, freute sich die Oberösterreicherin über einen gelungenen Saisoneinstieg. Dieser steht auch unter dem Eindruck der langen Trainingspause im Winter nach einer Influenzaerkrankung sowie der dadurch sich spät erarbeiteten Form. Punktgenau für die Staatsmeisterschaften war eine gute Verfassung als Basis für den neuerlich beeindruckenden Erfolg da. „Ich hab nicht einmal eine Minute länger gebraucht als vor einem Jahr. Und damals war ich in der absoluten Hochform und im euphorischen Glücksgefühl des WM-Titels im Stubaital drei Tage zuvor“, ordnete die 44-Jährige ein. Die Silbermedaille ging an die zwei Jahrzehnte jüngere Kerstin Springer (UNION Rohrbach Berg), die damit einen oberösterreichischen Doppelsieg im Salzkammergut klarmachte. Als Dritte freute sich Lena-Maria Aichner (runninGraz) über die Bronzemedaille in einer Zeit von 44:46 Minuten, exakt 40 Sekunden hinter Springer. Für beide ist es die erste Staatsmeisterschaftsmedaille überhaupt.

Gutes Laufgefühl auf der steilen Strecke

Auch wenn der bereits 17. Staatsmeistertitel alleine im Berglauf in der gewohnten Deutlichkeit mit über sieben Minuten Vorsprung ausfiel, einfach sei der Katrin-Berglauf nie, betonte Mayr. „Erstens ist das erste Renndrittel für mich immer stressig, weil da viele Männer in meinem Umfeld laufen, die oft auch zu schnell angehen. Erst wenn ich meine Position gefunden habe, kann ich in mich hineinhören und da hat mein Körper heute positive Signale gesendet. Zweitens ist die Strecke schon brutal. Dadurch, dass sie auch so breit ist, fühlt man sich noch einmal langsamer als man im Steilen eh schon ist.“ Trotz der ergiebigen Regenfälle am Vortag war die Strecke sehr gut zu belaufen und wies auch in den steilsten Passagen mit steiniger Bodenbeschaffenheit kaum rutschige Stellen auf. Der Katrin-Berglauf zählt zu den Lieblingsevents der routinierten Oberösterreicherin, auch, weil die enorme Steilheit ihren Stärken schmeichelt. Auf nur 4,4 Kilometern mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen dem Kaiser-Jagdstandbild nahe der Talstation der Seilbahn und dem Katrin Berggasthof an der Bergstation 943 Höhenmeter bewältigen.

Rekordtitel: die Nummer 57

Mit dem 57. Staatsmeistertitel, übrigens allesamt Einzeltitel, übertraf Andrea Mayr den bisherigen ÖLV-Rekord von Karoline Käfer. Neben den 17 Titeln im Berglauf kommen je acht über 10.000m und im 3.000m-Hindernislauf sowie je sechs im Crosslauf und im 3.000m-Rennen (Halle) sowie weitere über 1.500m, 5.000m, im 10km-Lauf und im Halbmarathon dazu. „Die Zahl erfüllt mich mit Stolz, weil sie darstellt, wie lange ich schon Spitzenleistungen im Laufsport bringe“, sagte sie. Neben den Erfolgen in ihrer absoluten Lieblingsdisziplin erinnert sie sich gerne an Staatsmeisterschaftsentscheidungen im Crosslauf und im 3.000m-Hindernislauf, jener Disziplin, in der sie 2008 an den Olympischen Spielen teilgenommen hat. Weitere Olympia-Teilnahmen erreichte sie im Marathon 2012 und 2016, wo sie auch langjährige ÖLV-Rekordhalterin war.

Nachdem Mayr bei den letztjährigen Staatsmeisterschaften im Berglauf erfuhr, die Titelzahl von Käfer egalisiert zu haben, verfolgte sie teilweise auch der Gedanke, dass es der letzte gewesen hätte sein können. Mit dem Karriere-Höhepunkt Heim-WM in Tirol verbunden war auch die Möglichkeit eines Karriereendes. Doch die Oberösterreicherin nahm den Schwung ihres siebten WM-Titels mit. Die Leidenschaft für den Berglauf bindet sie nach wie vor an das Denken und Handeln einer Spitzensportlerin, trotz beruflicher und familärer Herausforderungen.

Spannendes Duell Hochenwarter-Innerhofer

Ein spannender Wettkampf entwickelte sich im Staatsmeisterschaftsrennen der Männer. Manuel Innerhofer führte das Feld nach den ersten flachen rund 600 Metern in den ersten Anstieg. Die Befürchtungen des sechsfachen Staatsmeisters, dass die Strecke des Katrin-Berglaufs für seine Stärken zu steil wäre, bewahrheitete sich im ausgeglichensten Staatsmeisterschaftsrennen im Berglauf seit langem. Bis zur Hälfte hielt auch Alexander Brandner-Egger (Holland Topsport Gaal) mit dem Top-Duo mit, ehe er abreißen lassen musste. Christof Hochenwarter attackierte im Mittelteil und erarbeitete sich einen leichten Vorsprung auf den Pinzgauer.

Doch Innerhofer konnte rechtzeitig für das Finale die Lücke wieder schließen. Es war der Beginn eines spannenden Duells. Im letzten Hang beschleunigte der sechsfache Berglauf-Staatsmeister merklich und zog am Kärntner vorbei. Dieser blieb aber ruhig, erhöhte das Tempo sachte, holte Innerhofer binnen einiger Sekunden wieder ein und erzwang mit einem energischen Konter die Vorentscheidung zu seinen Gunsten. Er erreichte das Ziel in einer Zeit von 34:07 Minuten, ein neuer Streckenrekord, den nur wenige Stunden zuvor der Deutsche EM-Teilnehmer Julius Ott als Sieger des Volkslaufs in 35:14 Minuten aufgestellt hatte.

Skibergsteiger mit Premierentitel in der Leichtathletik

Für Hochenwarter ist der Berglauf-Staatsmeistertitel seine Titelpremiere in der Leichtathletik. Der 26-jährige Kärntner ist erfolgreicher Wintersportler, u.a. als Sieger der Snow-Run-Weltmeisterschaften in Italien im März. „Ich bin im Skibergsteigen Vertical-Spezialist, da ist der Berglauf eine sehr ähnliche Sportart. Daher ist es für mich prädestiniert, im Sommer Berglauf-Wettkämpfe zu bestreiten. Erstens, weil es mir voll taugt, zweitens, weil es auch ein super Training für den nächsten Winter ist.“

Das Duell mit Innerhofer bezeichnete er als hart und leidenschaftlich. „Manuel ist seit Jahren der beste Bergläufer in Österreich. Er ist auch stark, wenn er einmal nicht auf seiner Optimalstrecke unterwegs ist. Daher ist es sehr wertvoll, ihn geschlagen zu haben“, so Hochenwarter. Bei den Europameisterschaften in Annecy vor einer Woche belegte er im Uphill Platz 26. „Dort konnte ich meine Stärken nicht voll ausspielen. Mir war bewusst, dass diese steile Strecke hier mir eher entgegenkommt. Ich bin sehr zufrieden und weiß, dass ich mich in den kommenden Wochen auch noch steigern kann. Nach der Saisonpause nach dem Winter fehlen mir nämlich die spezifischen Einheiten im hohen Herzfrequenzbereich etwas“, so der Sieger.

Innerhofer und Brandner-Egger auf dem Stockerl

Innerhofer, der wie im Vorjahr Silber gewann (damals hinter seinem heute abwesenden Zwillingsbruder Hans-Peter), zeigte sich mit der Platzierung und Leistung zufrieden: „Ich hätte mir nicht gedacht, in diesem Gelände so nahe an Christof dran zu sein. Für mich war das ein wichtiger Wettkampf, weil ich nach dem Trainingsrückstand aus dem Winter harte Belastungen brauche.“ Der EM-14. im Uphill und EM-Elfte im Up & Down von letzter Woche in Annecy bewertete aber seine Taktik kritisch: „Im Nachhinein gesehen, wäre es schlauer gewesen, ich hätte mit meiner Attacke noch ein bisschen länger gewartet.“ So habe er sein Pulver zu früh verschossen.

Innerhofer erzielte eine Zeit von 34:15 Minuten, für ihn als Trailrunner eine unüblich kurze Wettkampfzeit. 35 Sekunden später erreichte der völlig ausgepumpte Brandner-Egger das Ziel, der erstmals seit vier Jahren wieder auf dem Stockerl von Berglauf-Staatsmeisterschaften stand. „Die kürzere Distanz und die steile Strecke hier kamen mir auf jeden Fall entgegen. Ich konnte einen sehr guten Wettkampf laufen, auch wenn ich mit dem Kreislauf im Finale am Limit war. Ich habe mein Ziel erreicht, eine Medaille, und bin deshalb glücklich“, kommentierte er.

Zweitgrößtes Starterfeld der Geschichte

Die Titel in der Altersklasse U20 gingen an Ali Dibo (THW Zehnkampf Union, 39:47) vor Johannes Unterasinger (Union Raika Compedal Thal-Assling) und Vereinskollege Fabian Hennerbichler sowie Ann-Kathrin Gruber (Union Salzburg LA, 52:21) mit rund einer Minute Vorsprung auf Laura-Sophie Ecker (Excitingfit-Runningteam). Die Titel in der Altersklasse U18 sicherten sich Elias Lukas (LCAV Jodl packaging, 44:19) und Fabiola Fortschegger (U. Raika Lienz, 52:36).

Mit 178 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern erzielten die Berglauf-Staatsmeisterschaften ihre zweitgrößte Besetzung in der Geschichte. Begünstigt wurde diese Steigerung, die sich in den Jahren nach der Pandemie auf viele Staatsmeisterschafstsentscheidungen außerhalb der Stadion-Leichtathletik deckungsgleich bezieht, durch die zentrale Lage Bad Ischls in Österreich und die verhältnismäßig späte Startzeit der Bewerbe um 11:30 Uhr. Aufgrund der Wetterlage kam es nicht zu einem Hitzerennen, sondern zu herausfordernden Bedingungen mit hoher Luftfeuchtigkeit, aber akzeptablen Wetterverhältnissen mit nur einzelnen Regentropfen für sportliche Leistungen.

Alle Ergebnisse

4 Fotos: © GEPA / Pictures (keine honorarfreie Weiterverwendung vorgesehen)
2 Fotos: © ÖLV / Helmut Schmuck

09/06/24 14:12, Text: Thomas Kofler


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