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Sebastian Frey visiert bei Crosslauf-EM Spitzenplatz an

© ÖLV / Alfred Nevsimal

Mit Optimismus geht das kleine, aber feine ÖLV-Team in die Crosslauf-Europameisterschaften am Sonntag vor den Toren Dublins. Sebastian Frey (DSG Wien) kann in diesem besonderen Rahmen neuerlich zeigen, dass er zur europäischen Spitze in seiner Altersklasse gehört. Mit ihm als Zugpferd rechnet sich Österreich Chancen auf eine gute Platzierung in der Nationenwertung des Juniorenbewerbs (Altersklasse U20) aus. In der Allgemeinen Klasse ziehen Dauerbrenner Andreas Vojta (team2012.at) und Julia Mayer (DSG Wien) ihre bisher besten Platzierungen bei Crosslauf-Europameisterschaften als Maßstab heran.

Selbstvertrauen und Ambitionen sind groß bei Sebastian Frey. Erstens, weil seine Leistungen in der Sommersaison 2021 die Hoffnungen auf einen Spitzenplatz im Juniorenrennen der Crosslauf-EM rechtfertigen (Platz zwei in der europäischen Jahreswertung im 10.000m-Lauf, Platz sechs im 5.000m-Lauf, jeweils Altersklasse U20). Zweitens, weil die Vorbereitung auf die Crosslauf-EM reibungslos verlief und die starken Trainingsleistungen das Selbstbewusstsein weiter gepuscht haben. „In den letzten Wochen ist alles super gelaufen, daher freue ich mich umso mehr auf Sonntag“, so der 19-Jährige, dem im vergangenen Jahr eine bemerkenswerte Entwicklung gelungen ist. Das betont auch sein Trainer Karl Sander und blickt optimistisch Richtung Wettkampf: „Wenn er das, was er sich in den letzten Monaten erarbeitet hat, am Sonntag gut umsetzen kann, ist er vorne mit dabei.“

„Ich bin in einer super Verfassung“

Die Crosslauf-EM wird eine spannende Herausforderung für den jungen Wiener: Ein sportliches Großereignis, das alljährlich im Winter Läufer unterschiedlicher Spezialdisziplinen auf der Bahn bis hin zur Straße zusammenführt. Das alles in Irland, einer traditionsreichen Crosslauf-Nation mit großer Begeisterung für diese Laufdisziplin. Und natürlich mit starker Konkurrenz aus ganz Europa. Für ein anvisiertes Resultat im Spitzenfeld sind Tagesverfassung und die richtige strategische Herangehensweise entscheidend. „Wir werden mehrere taktische Varianten für unterschiedliche Situationen vorbereiten. Sebastian muss dann, je nach Rennverlauf, selbst die Entscheidung treffen und die richtige Taktik umsetzen“, erklärt Sander. Sein Schützling glaubt, dass ihm die Distanz von 6.000 Metern auf der mit einem nicht allzu schweren Höhenprofil ausgestatteten Strecke entgegenkommt, weil er über eine der besten Vorleistungen im 10.000m-Lauf aller Teilnehmer verfügt. „Ich bin in einer super Verfassung. Ich will das hohe Tempo am Beginn aufnehmen, an den Besten dranbleiben und im Finale alles mobilisieren“, sagt Frey. Als große Herausforderung sieht Sander neben dem erwartbar hohen Starttempo, wenn der große Pulk in die ersten Kurven geht, den möglicherweise tiefen Boden, der durch den tagelangen Regen in Irland entstehen könnte. Das, so der erfahrene Coach, könnte den britischen und irischen Läufern entgegenkommen, da sie diese Bedingungen aus ihrer Heimat gewohnt sind. Ausgerechnet die besten irischen und britischen Läufer gehören – gemeinsam mit Talenten aus Dänemark, den starken Spaniern und Adisu Guadia aus Israel, der die europäische U20-Jahresbestzeit im 10.000m-Lauf hält – zum engsten Kreis der Favoriten auf eine Medaille.

Starkes Team für die Nationenwertung

Frey hat in Dublin die Chance, gleich zweimal auf vorderen Positionen zu landen. Erstens in der Einzelwertung, zweitens in der Nationenwertung. Gemeinsam mit den 17-jährigen Emil Bezecny (Leichtathletik Akademie Eisenstadt) und Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA) sowie Raphael Siebenhofer (TUS Kainach), der am gestrigen Donnerstag seine Volljährigkeit erreicht hat, stellt Österreich ein sehr junges, aber leistungsstarkes Team. Die drei besten Platzierungen pro Nation werden für die Nationenwertung addiert, der ÖLV ordnet eine Top-Acht-Platzierung als realistische Zielsetzung ein. Bis auf Frey, der schon in Lissabon 2019 erste Erfahrungen sammeln konnte, feiern alle ihr Debüt bei Crosslauf-Europameisterschaften. „Ich habe gut trainiert und mich mit Intervallen auf Rasen und Hügelläufen vorbereitet“, ist Bezecny, der vor kurzem zur Trainingsgruppe von Rolf Meixner nach Eisenstadt gewechselt ist, optimistisch.

Kevin Kamenschak nimmt eine Platzierung im vorderen Drittel ins Visier und will offensiv und furchtlos ins Rennen gehen. „Ich laufe lieber den ersten Kilometer etwas schneller, damit ich mich dann nicht durch das Feld durchkämpfen muss“, so der Linzer, der in den letzten Wochen regelmäßig nach Wien gependelt ist, um gemeinsam mit Sebastian Frey zu trainieren. Die beiden gehören mit einer Trainingsgruppe zum Projekt „Lauf 2024“, das die Trainer Karl Sander, Karin Hausecker und  Andreas Prem mit dem Ziel, ihre Talente zu fördern, gegründet haben. Beide Athleten sprechen in höchsten Tönen über das Niveau in den gemeinsamen Trainings und die Erfahrungen daraus. Als Letzter hat sich Raphael Siebenhofer bei den Österreichischen Meisterschaften am 21. November in Graz für das EM-Team qualifiziert, als er in der Altersklasse U20 die Bronzemedaille hinter Frey und Bezecny gewann (Kamenschak holte den Titel in der U18). „Das wird mein bisheriger Karriere-Höhepunkt und ich werde versuchen, mich so gut wie möglich zu verkaufen“, so der Steirer.

Zwölfte Crosslauf-EM-Teilnahme für Vojta

Mit der zwölften Teilnahme an Crosslauf-Europameisterschaften springt Andreas Vojta (team2012.at) auf Rang drei der Rangliste mit den häufigsten Teilnahmen bei den Männern. Für ihn ein Beweis seiner Kontinuität über viele Jahre, denn seit 2009 hat er keine Crosslauf-EM verpasst. Auch wenn die diesjährige nicht seine letzte sein soll, schließt sich für den 32-Jährigen ein Kreis. Seine erste Teilnahme führte ihn nämlich ebenfalls in die irische Hauptstadt, gelaufen wurde damals auf einem anderen Gelände. Vojta kann sich noch gut an die regnerischen Bedingungen und den knöcheltiefen Gatsch erinnern, aber auch an die hervorragende Stimmung mit zahlreichen Zuschauern entlang der Strecke. „Damals wurde mir bewusst, was es bedeutet, eine Crosslauf-Nation zu sein“, blickt er zurück.

Zwölf Jahre später kann der Staatsmeister im Crosslauf schwer einschätzen, was für ihn am Sonntag möglich ist: „Grundsätzlich habe ich gut trainiert und verfüge über eine gute Ausdauerbasis. Nachdem ich in der Saisonvorbereitung meinen Hauptfokus nicht auf die Crosslauf-EM, sondern auf die Ziele im Jahr 2022 gelegt habe, habe ich nur einige spezifische Trainingseinheiten und -elemente absolviert.“ Seine bisher beste Platzierung in der Allgemeinen Klasse war ein 32. Platz. Diese Vorgabe würde er gerne unterbieten. Der 10.000 Meter langen Distanz hat sich Vojta mit dem Wechsel auf die langen Bahnstrecken vor einigen Jahren angenähert, ein kleiner Vorteil zu früher. „Ich werde versuchen, das Mittelmaß zwischen optimistisch anlaufen und dennoch meine Kräfte gut einteilen zu finden.“

Großer Favorit auf den EM-Titel ist das norwegische Ausnahmetalent Jakob Ingebrigtsen, der zwischen 2016 und 2019 einen Rekord aufgestellt hat: vier Crosslauf-EM-Titel in der Altersklasse U20 in Folge. In Dublin ist der Olympiasieger im 1.500m-Lauf erstmals in der Allgemeinen Klasse am Start.

Mayer hofft auf schwierige Bedingungen

Als chronologisch letzte Österreicherin ist Julia Mayer am Sonntag gefordert. Die 28-Jährige kommt aus einer hervorragenden Saison 2021 mit österreichischen Rekorden im 5km- und 10km-Lauf sowie persönlichen Bestleistungen im 10.000m-Lauf und im Halbmarathon. Ihr Trainer Karl Sander ist daher optimistisch, dass sie dieses Niveau auch im Crosslauf, der Lieblingslaufdisziplin seiner Athletin, abrufen und in die Nähe des Resultats von vor zwei Jahren laufen kann. Zumal Mayer einen großen Schritt nach vorne gemacht hat, seit sie sich als Profi voll dem Laufsport widmet.

Die meist in Wien trainierende Niederösterreicherin belegte vor zwei Jahren als Newcomerin im internationalen Geschäft den bemerkenswerten 22. Rang und kann aufgrund der gelungenen Leistungen in den letzten Monaten entspannt an die Aufgabe herangehen. „Ich möchte eine gute Leistung zeigen. Wenn ein gutes Resultat herauskommt, bin ich megahappy. Wenn nicht, ist es auch kein Drama.“ Die Trainingsleistungen der letzten zwei bis drei Wochen zeigten in die richtige Richtung. Sie konnte viel davon kompensieren, was wegen des durch eine Erkältung verursachten, verspäteten Einstiegs ins Training verloren gegangen war. Die Siegerin bei den Staatsmeisterschaften vor drei Wochen hofft, dass das 8.000 Meter lange Rennen der Frauen unter schwierigen Verhältnissen über die Bühne geht: „Je schwieriger die Bedingungen, desto besser für mich. Vielleicht haben einige Athletinnen Probleme und Underdogs können das für sich nutzen.“

Dass das Rennen der Frauen als letztes des Tages angesetzt wurde und somit den Höhepunkt liefern soll, ist absolut berechtigt. Denn das Starterfeld ist sehr prominent besetzt. Die besten Medaillenchancen haben wohl die vierfache Crosslauf-Europameisterin Yasemin Can, eine aus Kenia stammende Türkin, Deutschlands WM-Medaillengewinnerin von Doha 2019 (5.000m), Konstanze Klosterhalfen und die Norwegerin Karoline Bjerkeli Grövdal, die bei den letzten fünf Crosslauf-Europameisterschaften immer aufs Stockerl gestürmt ist. Hinter diesem Trio empfiehlt sich eine Reihe von renommierten Läuferinnen aus mehreren Ländern für Spitzenplätze, was auch Mayer beim Blick auf die Startliste staunen ließ: „Es sind zahlreiche richtig, richtig gute Läuferinnen am Start.“

Redlinger musste verletzt absagen

Leider nicht dabei sein kann Juniorin Lisa Redlinger (TS Lustenau), die sich mit ihrem starken Auftritt bei der Crosslauf-ÖM in Graz (Bronze in der Allgemeinen Klasse, überlegener Sieg in der Altersklasse U20) für eine EM-Teilnahme empfohlen hat. Bei ihr ist ein Ermüdungsbruch diagnostiziert, der eine Reise nach Dublin unmöglich gemacht hat. „Es ist nicht allzu schlimm. Ich werde jetzt zwei Wochen Pause machen und mich dann mit Alternativtraining wieder herantasten“, so die junge Vorarlbergerin, die bei den kommenden Crosslauf-Staatsmeisterschaften am 20. März 2022 in Lorüns ein Heimspiel haben wird.

Erfahrener Gastgeber

Auch die Rennen der Altersklasse U23 sowie die Mixed Staffel gehen ohne österreichische Beteiligung über die Bühne. Die Crosslauf-Europameisterschaften 2021 werden auf dem Gelände des Sport Ireland Campus in Blanchardstown in der nördlichen Peripherie Dublins ausgetragen, dem Zentrum des irischen Sports. Blanchardstown ist die größte Stadt der Grafschaft Fingal.

Dublin ist zum zweiten Mal nach 2009 Gastgeber der Crosslauf-Europameisterschaften und trug 2002 die Crosslauf-Weltmeisterschaften aus. Die Wetterprognose für Sonntag sieht Bewölkung, aber keinen Regen und milde Temperaturen von bis zu 12°C vor. 613 Läuferinnen und Läufer, und damit wesentlich mehr als bei den letzten Austragungen von Crosslauf-Europameisterschaften, stehen auf der Meldeliste. Sie stammen aus 38 verschiedenen Mitgliedsverbänden von European Athletics. Alle sechs Europameister von Lissabon 2019 sind neuerlich am Start, jene in den Altersklassen U20 und U23 sind allesamt eine Altersklasse aufgestiegen, Ingebrigtsen zwei. Die größten Starterfelder sind, wie so häufig, in den U20-Rennen anzutreffen, die also definitiv neue Champions produzieren.


Der Zeitplan für die Crosslauf-EM 2021 (Angaben in mitteleuropäischer Zeit)

11:00 Uhr – Altersklasse U20, Burschen – Distanz: 6.000m (vier große Runden) – mit Frey, Bezecny, Kamenschak und Siebenhofer
11:28 Uhr – Altersklasse U20, Mädchen – Distanz: 4.000m (eine kleine und zwei große Runden)
11:50 Uhr – Altersklasse U23, Männer – Distanz: 8.000m (zwei kleine und vier große Runden)
12:23 Uhr – Altersklasse U23, Frauen – Distanz: 6.000m (vier große Runden)
13:21 Uhr – Mixed-Staffel – Distanz: 6.000m (vier große Runden)
14:13 Uhr – Allgemeine Klasse, Männer – Distanz: 10.000m (eine kleine und sechs große Runden) – mit Vojta
14:53 Uhr – Allgemeine Klasse, Frauen – Distanz: 8.000m (zwei kleine und vier große Runden) – mit Mayer

Alle Wettkämpfe der Crosslauf-Europameisterschaften 2021 werden im Livestream auf der Website des Europäischen Leichtathletik-Verbandes (European Athletics) übertragen.

Veranstaltungshomepage

Website von European Athletics

Die Fotos wurden bei den Crosslauf-Staatsmeisterschaften 2021 in Graz aufgenommen. © ÖLV / Alfred Nevsimal

09/12/21 23:01, Text: Thomas Kofler


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