Die 4x400-m-Nationalstaffel der Frauen mit Lena Pressler, Helene Vogel, Caroline Bredlinger und Anja Dlauhy ging mit der Vorgabe ins Rennen, mit einer Zeit von 3:35 Minuten die EM-Qualifikationschance am Leben zu halten. ÖLV-Langstaffel-Verantwortlicher Christian Taylor motivierte das Quartett an den starken Sloweninnen dranzubleiben und den Kampf mit ihnen aufzunehmen.
Die vier Österreicherinnen liefen allesamt ein hervorragendes Rennen und mussten sich am Ende nur knapp den südlichen Nachbarinnen, die mit 3:31,83 min den Laufsieg feierten, geschlagen geben. Mit 3:32,71 min gelang aber ein kleiner Meilenstein in Österreichs Leichtathletik-Geschichte. Der älteste bestehende ÖLV-Rekord der Allgemeinen Klasse, nämlich jener der 4x400 m der Damen aus dem Jahr 1976 (3:34,42 min von Czerny-Schinzel, Burger, Mühlbach, Wildschek) wurde gebrochen. Und das ohne Österreichs 400-m-Rekordläuferin Susanne Gogl-Walli, die wegen Wadenproblemen ihren Villach-Start absagen musste.
Österreichs Damen-Langstaffel reist nun voller Selbstvertrauen nach Regensburg (GER), wo am 7. Juni neuerlich die 4x400 m der Nationalstaffeln auf dem Programm stehen. Mit einer zweiten starken Zeit soll das Birmingham-Ticket gelöst werden, denn nur die besten 16 Staffeln Europas dürfen dort antreten. Ein erlauchter Kreis, dem Österreich in der Langstaffel das letzte Mal vor 55 Jahren angehörte. Die Gesamtzeit der besten zwei Zeiten ist für die Reihung in der EM-Qualifikation ausschlaggebend.
4x100-m-Rekord: Spitzenzeit und noch Reserven
Österreichs Sprintstaffel über 4x100 m lief in Villach mit Patricia Brunninger, Magdalena Lindner, Karin Strametz und Isabel Posch mit 43,77 s zum Laufsieg und zu einem neuen österreichischen Rekord. Die bisherige Bestmarke der EM in Rom 2024 wurde um sieben Hundertstel unterboten. "Die Mädchen sind super gelaufen. Wir hatten flüssige Übergaben, wie wir es im Training gemacht haben. Wir sind heute 'safe' gelaufen, wir wollten durchkommen", berichtete ÖLV-Nationaltrainer Philipp Unfried.
Mit der heutigen Zeit von 43,77 s und den 44,16 s von der Team-EM im Vorjahr weist Österreichs Nationalstaffel nun eine Gesamtzeit von 87,93 auf und schiebt sich auf Rang 14 vor Slowakei, Tschechien, Schweden, Türkei und Finnland in der "Road to Birmingham". Reserven liegen bei den Übergaben, wo die Abstände vergrößert werden können. Außerdem kann der ÖLV bei den nächsten Rennen auch auf Christania Williams zurückgreifen, die nach ihrem Bob-Einsatz bei den Winterspielen in Mailand-Cortina einen längeren Aufbau für die Freiluftsaison vollzieht.
Zwei Nachwuchs-Staffelrekorde zum Drüberstreuen
Östereichs U23-Nationalstaffel in der 4x400 m Staffel wird ebenfalls von Christian Taylor betreut, der die vier heimischen Langsprinter motivierte, den Kampf mit den starken Konkurrenten aus Slowenien und Ungarn aufzunehmen. Das gelang ausgezeichet. Am Ende gab es eine hauchdünne Entscheidung, bei der alle vier Staffeln innerhalb von einer halben Sekunde das Ziel durchquerten. Slowenien siegte in 3:06,42 min vor Ungarn I mit 3:06,52 min, Dritter wurde Österreichs U23-Team mit 3:06,58 min vor Ungarn II mit 3:06,88 min.
Das rot-weiß-rote Quartett Alessandro Greco, Raphael Briel, Samuel Lengauer und Michael Gantner unterbot damit die zwei Jahre alte ÖLV-U23-Bestmarke um 1,55 Sekunden.
Die 4x100-m-U18-Nationalstaffel Österreichs mit Karem Ahmed, Marco Glinz, Jonas Prammer und Nicolas Schwendt sorgte für den vierten österreichischen Rekord des Tages. Mit ihrer Zeit von 41,18 s blieb das von Riccardo Vantini betreute Quartett deutlich unter der 17 Jahre alten Bestmarke (42,25 s - 2009). Im heurigen Jahr waren bisher nur Staffeln aus Spanien und Jamaika schneller als die ÖLV-U18-Staffel.

Zwei österreichische Rekorde im 200-m-Sprint und internationale Limits
Über 200 m unterboten Felix Krifka (SVS-Leichtathletik) und Jonas Prammer (ULC Linz Oberbank) die Normen für die internationalen Saisonhöhepunkte in ihren Altersklassen in diesem Sommer. Krifka siegte über 200 m mit einer Zeit von 21,01 s (+1,9) und stellte damit einen neuen ÖLV-U20-Rekord auf. Den bisherigen hielt Christoph Pöstinger (21,10 s - 1991). Die Eugene-Norm steht hier bei 21,25 s. Dahinter klassierte sich U20-Sprinter Maximilian Graff (ATSE Graz) mit 21,51 s auf Rang 2. Dritter wurde Prammer, der mit 21,54 s einen neuen ÖLV-U18-Rekord markierte und die Rieti-Norm um 56 Hundertstel unterbot.
Drei weitere U18-EM-Limits
In den Rahmenbewerben gab es noch drei weitere U18-EM-Limits zu vermelden. Jasmin Ungersböck (ULC Riverside Mödling) lief über 400 m mit 55,65 nicht nur zu einer neuen persönlichen Bestleistung, sondern unterbot die Rieti-Norm (57,00 s) klar. Nach den Limits über 100 m und 200 m ist dies nun bereits die dritte Normerbringung für die Nachwuchssprinterin aus der Trainingsgruppe von Christoph Pöstinger. Mit 56,93 s unter der 57-Sekunden-Marke blieb auch die 14-jährige Caroline Grabner (Union Waidhofen/Ybbs), sie ist allerdings als 2011er-Jahrgang bei der U18-EM noch nicht startberechtigt.
Über 800 m sorgte Lokalmatador Sebastian Kofler (LC Villach) für eine weitere U18-EM-Norm. Seine Zeit von 1:52,21 min (Limit: 1:54,20 min) bedeutet auch einen neuen KLV-U18-Rekord.
Neben dem Einsatz fast aller ÖLV-Nationalstaffeln gab es zahlreiche weitere gute Leistungen in den Einzelbewerben. So gewann Isabel Posch (TS Lustenau) mit 11,48 s (-1,2) den 100-m-Bewerb, bei den Männern setzte sich U18-EM-Teilnehmer Marco Glinz (UVB Purgstall) mit 10,77 s (-0,6) gegen die ältere Konkurrenz durch. Über 200 m siegte 400-m-Hürden-Rekordhalterin Anja Dlauhy (ULC Riverside Mödling) mit starken 23,63 s (0,0) vor Magdalena Lindner (Union St. Pölten), 23,64s, und Christiane Krifka (SVS-Leichtathletik) mit 23,87 s.
Fotos (C) Martina Albel



