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Team-EM: Innenansichten aus Varazdin – Samstag

Lena Millonig und Julia Mayer

Schon am Morgen zeigt sich die Sonne gut gelaunt und bringt Schwung auf den Thermometer. Wir nehmen das Frühstück immer im Freien ein. Unsere Unterkunft in einem Studentenheim ist vorzüglich, die Stadt selbst hat authentisches Flair. Bis zum Anfang des Ersten Weltkrieges gehörte Varazdin zur österreichisch-ungarischen Monarchie. Einige Häuser mit morbidem Outfit erinnern noch heute an diese Zeit.

Ich teile das Zimmer mit Europameister Didi Millonig. Dietmar kennt die Bestleistungen aller Leichtathleten im Planentensystem und prognostiziert für uns den Verbleib in der Liga. Sein Schlaf war zwar lautlos, aber unruhig. Ich vermute, das lag daran, dass er seinen Flanellpyjama zu Hause vergessen hat.

Tatjana Meklau beginnt um 15 Uhr mit dem Linkswalzer im Wurfkreis. Drei Drehungen war gestern. Die Steirerin hat erst vor Kurzem auf vier Drehungen umgestellt und österreichischen Rekord geworfen. Während einige ihrer Kolleginnen Rubensformat haben, könnte Tatjana locker für Vogue modeln. Sie schleudert die den Hammer auf 55,85 m. Damit macht sie 7 Punkte für uns.

Gleichzeitig beginnt Agnes Hodi mit dem Bewerb, bei dem man keine Höhenangst haben darf. Schon der erste Sprung beschert mir einen Morbus Bauchweh. Er misslingt. Die weiteren Versuche gelingen auch nicht. Mir rutscht das Herz in die Hose. Null Punkte tun weh.

Dann die Eröffnung der Europameisterschaften. Es werden ziselierte Sätze und erhellende Worte gesprochen. Etliche Würden- und andere Träger begrüßen uns. Ich sitze im Medienzentrum, das klösterliche Anspruchslosigkeit ausstrahlt. Es ist ein Raucherkammerl mit drei Tischen. Immerhin ist es gekühlt, sodass man nur kalten Rauch einatmen muss. Nach einem Hustenanfall flüchte ich auf die Tribüne. Dort ist es auch bescheiden. Die Minuten, in denen man eine Internetverbindung hat, kann man an einer Hand mit Fäustling abzählen.

Dann die 400 m Hürden. Kornfeld Markus, der bisher 51,24sec auf den Tacho gebracht hat, läuft mit menuettartiger Präzision ein couragiertes Rennen und 51,16sec. Das bedeutet eine persönliche Bestzeit. Feuerzeug hoch.

Nach fünf Bewerben bin ich schon ganz wuschi. Wir sind an achter Stelle.

Das medizinische Sorgerecht liegt bei Florian Wepner. Er ist Spitals- und Oberarzt, hat vier Kinder und ist auch bei Eishockey zugegen. Wie er alles unter einen Hut bringt, ist schleierhaft. Womöglich ist er glücklich verheiratet.

Toth Alexandra bestreitet ihren ersten von drei Bewerben. Es wird kein Lauf von der Stange. Alexandra wird im ersten der beiden 100m-Läufe Zweite und insgesamt Sechste. Das bringt uns 7 Punkte. Es wirkt wie ein Heilpflaster auf der Gesamtrechnung.

Markus Fuchs ist der Vorzugsschüler beim 100m-Lauf der Männer. Vorerst muss er jedoch warten, denn der Däne neben ihm macht einen Fehlstart und scheidet trotzdem nicht aus. Er redet sich auf  Markus aus. Wo ist die Cobra, wenn man sie wirklich braucht? Dann gibt Markus von Beginn weg den Takt und den Ton an und distanziert alle. Es ist ein Lauf, den man sich am liebsten ausschneiden und an die Wand hängen möchte. Sieg und 12 Punkte.

Während im Pressebereich wieder die Nabelschnur zur elektronischen Welt abstirbt, läuft Carina Schrempf zwei feine Stadionrunde mit saisonaler Bestzeit. Schön, dass sie wieder zurück ist.

Der Lauf von Julia Mayer über 3.000m flach wird ein Hammer. Das Rennen entwickelt sich strukturiert. Bald bildet sich eine Siebenergruppe, die lange zusammen bleibt und in der sich auch Julia häuslich einrichtet. Das geht einige Runden lang gut. Doch der Schein der Harmonie trügt. Julia wird attackiert und kontert zurück. Sogar der Ansager im kroatischen Fernsehen erwähnt mehrmals den Namen Maia. Julia drückt am Ende nochmals gewaltig an und finisht mit PB. Mir gehen die Buchstaben aus, um diese Leistung zu würdigen.

Nach 11 Bewerben sind wir numerologisch aus der Kurve geflogen. Wir sind an 10. Stelle und haben 58 Punkte. Herr, lass uns nicht im Stich.

Danach zeigt Susanne Walli ihre Verlässlichkeit über die Stadionrunde und läuft weit unter der Zeit des Minutenwalzers von Frederic Chopin. Ihr vierter Platz flasht unsere Punkteliste. Das gleiche macht Dominic Hufnagl. Auch er geht mit seiner Kraft nicht homöopathisch um und sprintet voll ins Laktat. Das zahlt sich aus. Fünfter Platz und acht Punkte wirtschaften uns weiter nach oben.

Nach 15 Bewerben sind wir wieder auf Platz acht, haben aber aufgeholt. Zuviel in der Traumfibel sollte man jedoch noch nicht lesen.  

Lena Millonig nimmt die Holzbalken und das Bassin unter die Spikes. 3.000m-Hindernisläufe kommen für mich einer Geißelung gleich. Der Lauf beginnt aber sozial. Bald zerspragelt sich die Karawane und verteilt sich im Oval des Stadions. Vorne sind drei schnelle Queens, eine davon ist Lena. Hinten werden die restlichen Läuferinnen zum Treibgut. Lena läuft bis zum Schluss ein harmonisch abgestimmtes Tempo und wird Dritte. Oida, is des super!

Vom Hochsprung kommt eine Erfolgsmeldung. Andreas Steinmetz liefert ein Resultat zur Wundheilung. Er springt 2,06 m und spült acht Punkte in die Kassa. 

Nach 17 Bewerben sind wir im Gezeitenstrom noch in der Ebbe. Wir sind am achten Platz, haben 109 Punkte und schauen über den Zaun der Hoffnung. 

Auch Andreas Vojta ist ein Kandidat für den Sieg. Was leicht gesagt ist. Es sind einige schnelle Brummer mit Ehrgeiz in seinem Lauf. Schon nach wenigen Runden trennt sich die Spreu vom Weizen und der israelische Läufer legt fünf Runden vor dem Ende einen Zwischenspurt ein. Das ist falsch. Andi beweist Geduld und führt wie eine Lokomotive eine Dreiergruppe an den Ausreißer heran. Mir verdunstet schon beim Zuschauen der Sauerstoff aus den Zellen. Am Ende kann niemand mehr mit Andreas mit. Er bleibt der King des Rennens und wird souveräner Sieger.

Bei unseren 4 x 100m-Staffeln werde ich ein Fall für die Couch. Die Frauenstaffel liefert eine Saison Best mit 44,85 Sekunden ab, die Männer können das noch toppen. Als Samuel Reindl als Letzter das Holz übernimmt, ist er schon vorne. Dann trommelt er alles nieder und geht mit fünf Meter Vorsprung ins Ziel. Österreichs Staffel ist die Schnellste in der zweiten Liga. Ist das nicht spooky? Eine 39er-Zeit ist es sowieso.

Der erste Tag der Team-Europameisterschaften endet nicht mit Gloria Victoria. In Summe kann aber man aber von einer guten Summe sprechen. Morgen soll alles so bleiben, wie es ist. Nur besser. Der Abstieg ist noch nicht besiegelt. Es gilt: Wer nicht an ein Wunder glaubt ist kein Realist. Bleiben Sie dran. Es bleibt spannend.

Herbert Winkler

09/08/19 23:17, Text: Robert Katzenbeisser

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