Heimsiege durch Diessl, Hudson und Weißhaidinger
In den fünf Disziplinen mit „Silber“-Status erhielten die Top-8 von 100 bis 40 Zusatzzähler, 100m, 110m Hürden und Stabhochsprung der Männer sowie die 100m Hürden und 800m der Frauen waren dafür ausgewählt worden. Die restlichen Bewerbe hatte E-Status, waren aber um nichts schlechter besetzt.
Enzo Diessl (SU Leibnitz) zeigte über 110m Hürden schon im Vorlauf wer der Herr im Hause ist und war mit 13,36s (0,2) der Schnellste des ganzen Feldes. Der U23-Europameister legte dann im Finale vor der Haupttribüne noch einen drauf und brachte das Publikum zum Kochen. Mit großartigen 13,17s steigerte der 21-Jährige seine Hausmarke um 3/100s von 13,20 auf 13,17s (1,5) und wiederholte seinen Vorjahressieg. Jetzt fehlen dem Steirer nur mehr 3/100s auf den ÖLV-Rekord von Mark McKoy.
Diessl: „Die letzte Woche war körperlich und mental sehr anstrengend, auch wenn der U23-EM-Titel natürlich sehr schön war, aber es war schon ein großer Druck. Heute konnte ich ganz locker draufloslaufen, auch der Wind hat gut mitgespielt und es ist einfach viel leichter, wenn man nicht wie in Bergen gegen den Wind kämpfen muss. Ich bin sehr happy mit meiner Leistung, die Zeit macht mich schon stolz.“

Victoria Hudson (SVS LA) war als Nummer 1 der Jahresweltbestenliste nach Eisenstadt gekommen, wo sie schon mehrfach ÖLV-Rekord im Speerwurf erzielt hatte. Auch heute gelang ihr gleich zum Auftakt mit 64,21m eine sehr starke Weite, die Europameisterin ließ noch 63,16m und 62,93m folgen. Damit war die 29-Jährige Niederösterreicherin ungefährdet, bei gar nicht optimalem Wind, der von vorne kam, hatte sie mehr als acht Meter Vorsprung auf Liveta Jasiunaite (LTU), die EM-Dritte schaffte nur 56,17m. Als Vierte überbot Leonie Zoe Haller (ULC Riverside Mödling) mit 48,65m (PB) das Limit für die U20-EM in Tampere (FIN) von 48,50m um 15cm.
Hudson: „Wir wollten das Grundniveau auf ca. 62m steigern und mehrere Würfe in diesen Bereich bringen, deshalb bin ich mit den 64m sehr zufrieden. Die Würfe waren sicher alle nicht perfekt, da ist noch Luft nach oben, auch das stimmt mich zuversichtlich, denn es zeigt mir, dass bei guten Windverhältnissen noch größere Weiten drinnen sind. Das Publikum hier ist immer großartig und unterstützt uns Sportler sehr.“

Lukas Weißhaidinger (ÖTB-OÖ LA) war wie so oft in Eisenstadt einfach nicht zu schlagen, auf der Anlage, auf der er so oft gewonnen und 2021 und 2022 Rekorde aufgestellt hatte. Das Diskus-Ass hatte sich eine Steigerung der Saison-Bestleistung vorgenommen und mit 64,93m in Runde 3 gelang das dem 33-Jährigen auch. Der Oberösterreicher hatte damit mehr als zwei Meter Vorsprung auf den zweitplatzierten Marius Karges (GER), der auf 62,22m kam. Benjamin Pichler (TGW Zehnkampf-Union), der vom österreichischen Vize-Europameister trainiert wird, steigerte seine PB als Fünfter auf starke 55,08m.
Weißhaidinger: „Mein erstes Ziel habe ich erreicht, aber ich wollte dann die 65m auch noch übertreffen. Da war ich dann etwas zu verkrampft, vielleicht muss ich mit 33 Jahren noch lernen geduldiger zu werden. Aber die letzten Wochen sind trotz der Rückenprobleme im Training gut gelaufen, jetzt stehen in den nächsten Wochen die Meetings in der Heimat auf dem Programm. Darauf freue ich mich besonders, bin sicher in einen guten Rhythmus zu kommen und mich weiter verbessern zu können.“

Schnell, schneller, Eisenstadt
Für Karin Karin Strametz (SU Leibnitz) waren schnelle Zeiten und eine gute Platzierung quasi Pflicht, benötigt sie doch jeden Punkt um bei der WM in Tokyo dabei zu sein. Letztes Jahr hatte sie hier mit 12,99s (2,4) gewonnen, diesmal unterbot sie mit 12,90s (0,9) diesen Wert bereits im Vorlauf. Im Finale traf die 27-Jährige auf extrem starke internationale Konkurrenz, Ex-Europameisterin Pia Skrzyszowska (POL) hatte in den Heats mit 12,71s (0,3) die schnellste Zeit gezeigt. Auch im Finale war die Polin nicht zu schlagen, mit 12,72s (1,3) lief sie fast dieselbe Zeit noch einmal. Die Steirerin drückte ihre Vorlaufzeit noch um 5/100s, blieb mit 12,85s nur um 4/100s über ihrer PB und wurde starke Vierte, sicher ein weiterer Schritt nach Tokyo 2025.
Strametz: „Ich habe die Verletzung vom Juni fast zur Gänze überstanden, natürlich fehlt gerade im Hürdenlauf jetzt noch etwas die Sicherheit. Aber mit den nächsten Rennen wird auch die wieder kommen und wenn ich im Rhythmus bin dann möchte ich auch direkte WM-Limit von 12,73s wieder angreifen.“

Über 800m war mit Caroline Bredlinger (LT Bgld Eisenstadt) eine heimische Athletin mit dabei, die nach tollen Steigerungen in dieser Saison das WM-Ticket schon in der Tasche hat. Die Burgenländerin war in den letzten Tagen nicht ganz fit gewesen, die Form daher ein kleines Fragezeichen. Aber die 24-Jährige zeigte sich vor Heimpublikum stark wie schon das ganze Jahr und zog erst auf den letzten Metern trotz hartem Kampf mit 2:01,07s um nur 7/100s gegen Reeve Walcott-Nolan (GBR) den Kürzeren.
Bredlinger: „Die erste Runde war nicht leicht, weil alle um die gute Position kämpften und ich sehr viel außen laufen musste. Auch später war ich immer wieder auf Bahn 2, aber ich habe bis zum Schluss gekämpft. Es hat Spaß gemacht und mit der Zeit bin ich unter diesen Umständen auch sehr zufrieden.“

Sensationelle Zeiten gab es im 100m-Bewerb der Männer, schon im Vorlauf unterbot Retshidisitswe Mlenga (RSA) mit 9,99s (0,9) die 10-Sekunden-Schallmauer. Im Finale gab es dann den ganz großen Knaller, als der Jamaikaner Bryan Levell mit 9,82s PB (1,3) die schnellste je in Österreich gelaufene Zeit erzielte und sich damit in der Jahresweltbestenliste auf Platz zwei einreihte.
Levell: „Es ist wirklich eine schnelle Bahn, das hätte ich wirklich nicht erwartet so schnell zu laufen. Hier PB uns diese Zeit ist ein Wahnsinn. Im Vorlauf habe ich noch nicht 100% durchgezogen und mir noch etwas fürs Finale aufgehoben, dort hat dann wirklich alles gepasst.“

Schnellster Österreicher war heute Lukas Pullnig (KLC), der schon im Vorlauf mit 10,34s neue PB aufstellte. Im Finale steigerte sich der Kärntner gleich noch einmal und kam nach sehr starken 10,26s (1,3) als Fünfter ins Ziel. ÖLV-Rekordhalter Markus Fuchs (Union St.Pölten) schaffte es ins B-Finale und wurde dort mit 10.47s (0,8) Dritter bzw. insgesamt Neunter.
Lukas Pullnig: „Es ist eine Wahnsinns-Saison, ich habe mich praktisch in jedem Lauf den ich bestritten habe gesteigert. Es spielen sicher viele Faktoren bei dieser Steigerung mit, aber vor allem bin ich verletzungsfrei und kann das ganze Training ohne Probleme durchziehen. Ich bin einfach nur mega happy über diese Zeit.“

Die 100m-Läuferinnen eröffneten und beendeten heute Abend dieses Meeting, die Vorläufe fanden um 17 Uhr und das Finale kurz vor 22 Uhr statt. Schnellste Österreicherin war Patricia Brunninger (ATSV Linz LA), die es zwar nicht ins A-Finale schaffte, im B-Finale mit 11,49s (1,7) aber neuen ÖLV-U20-Rekord aufstellte. Damit löschte die U20-EM-Starterin einen der ältesten Rekorde Österreichs aus, denn diesen war Gabi Hareter im Jahr 1975 mit handgestoppten 11,4s (daher als 11,64s gewertet) gelaufen.
Der Sieg im A-Finale ging dann wie erwartet an Favoritin Maia McCoy (USA), die im Finale auf und davon stürmte und erstmals die 11-Sekunden-Schallmauer unterbot, nach 10,96s PB (1,7) blieb die Zeit für sie stehen. Die Staffel-Olympia-Dritten Alexandra Burghardt (GER) und Rebekka Haase (GER) hatten mit 11,26s und 11,30s das Nachsehen.
Maia McCoy: „Es ist jetzt sehr speziell endlich unter den 11 Sekunden geblieben zu sein, ich bin diesem Ziel ja doch schon einige Jahre nachgelaufen. Man darf niemanden unterschätzen wenn man an der Startlinie steht, es ist immer schwierig zu gewinnen.“

Auch im Stabhochsprung der Männer gab es eine spannende Entscheidung, erst im Stechen konnte sich Kyle Rademyer (RSA) mit übersprungenen 5,70m gegen den ehemaligen Vize-Weltmeister Piotr Lisek (POL) durchsetzen. Riccardo Klotz (ATSV Innsbruck) schaffte trotz einer Verletzung im Sprunggelenk mit 5,45m neue Saisonbestleistung und wurde Sechster, U23-EM-Finalist Alexander Auer (TGW Zehnkampf-Union) überquerte noch etwas müde von den Reisestrapazen heute 5,10m und belegte Rang 8.
Im 200m-Bewerb gab es durch Lena Pressler (Union St.Pölten) einen erfreulich starken Auftritt nach langer Verletzungspause, sie kam in 24,04s (0,9) bis auf 2/100s an ihre persönliche Bestleistung heran. Viktoria Willhuber (SU Leibnitz) stellte mit 23,76s (1,2) sogar neue PB auf.
Fotos (Bilder honorarfrei verwendbar bei Nennung © ÖLV / Alfred Nevsimal )
Livestream (on demand)
Ein TV-Beitrag vom Meeting wird am Sonntag, 27. Juli um 13:05 Uhr auf ORF 1 in der Sendung Sport-Bild gezeigt.
Fotos: © ÖLV / Alfred Nevsimal



