Enzo Diessl – 110m Hürden – PB/SB 13,17s (2025)
Man kann ihn durchaus als den Shooting-Star unter den heimischen Leichtathleten nennen. Schon im Nachwuchsbereich war Enzo Diessl (SU Leibnitz) mit dem U20-Europameistertitel über 110m vor zwei Jahren Hürden erfolgreich gewesen, heuer ließ er den Sieg bei der U23-EM in Bergen (NOR) folgen. Dazwischen lagen 2024 auch schon eine EM- und auch eine Olympiateilnahme in der allgemeinen Klasse. Nach seinem Sturz bei der Hallen-EM in Apeldoorn (NED) verzichtete er auf eine Teilnahme bei der Hallen-WM in Nanjing (CHN) um für den Aufbau auf seine großen Ziele in der Freiluft-Saison drei Wochen mehr Zeit zu haben
Der Steirer schaffte dann auch eine mehrfache Verbesserung des ÖLV-U23-Rekordes bis auf 13,17s, womit er auch die direkte WM-Qualifikation schaffte. Dazu gab es auch eine Einladung zum Diamond League Meeting nach Polen, wo der 21-Jährige ebenfalls eine Talentprobe abgab. Mit seiner Saisonbestleistung rangiert der Jüngste im ÖLV-Team auf Platz 13 in der Entry-List, ein Einzug ins Semifinale ist also durchaus realistisch. Die Coolness dafür hat der Leibnitzer allemal, wie er schon des Öfteren bewiesen hat.
„Mein erstes großes Ziel haben ich mit dem Gewinn der U23-EM abgehakt, dort wollte ich gewinnen und Gold holen, was als Favorit sicher nicht leicht war. Ich habe heuer eine gute Konstanz gezeigt, die möchte ich definitiv zur WM mitnehmen. Ich bin immer noch hungrig und will in Tokyo attackieren. In meinen knapp zwei Jahren in der allgemeinen Klasse habe ich schon sehr viel gelernt und habe die Technik an die hohen Hürden gut angepasst. Es war letztes Jahr auch interessant zu erleben wie es ist bei einem Großereignis nicht zu den Schnellsten zu gehören, da konnte ich viel mitnehmen. Ich konnte heuer schon einige Rennen mit sehr starker internationaler Konkurrenz bestreiten und mich dabei gut behaupten, all diese Erfahrungen werden mir in Japan helfen. Ich bin gesund, top vorbereitet, habe die notwendige Lockerheit, brauche mich bei der WM nicht zu verstecken und will die ganz Großen ein wenig ärgern.“

Victoria Hudson – Speerwurf – PB/SB 67,76m (2025) ÖR
Speerwerferin Victoria Hudson (SVS LA) ist seit ihrer ersten WM-Teilnahme 2019 bei jedem Großereignis dabei gewesen. Bei ihren drei bisherigen WM-Teilnahmen schaffte sie bisher die Ränge 31, 23 und 5, womit sie in Budapest 2023 das beste Ergebnis des ÖLV-Teams einfuhr. Die Ergebniskurve der Niederösterreicherin zeigte also stetig nach oben, 2024 folgte dann mit dem Gewinn des Europameistertitels in Rom (ITA) die bisherige Krönung der Karriere.
Das Wintertraining verlief optimal, die Kraftwerte stiegen weiter. Bei fünf Wettkämpfen 2025 übertraf die 29-Jährige die 60m-Marke, beim Sieg bei der Team-EM in Maribor (SLO) Ende Juni stellte sie zum wiederholten Male neuen ÖLV-Rekord auf und verbesserte diesen auf extrem starke 67,76m. Eine solche Weite schaffte heuer weltweit noch keine andere Athletin und so reist die Hainburgerin auf Platz 1 der aktuellen Jahresweltbestenliste nach Japan. Von einer Favoritenrolle will Hudson aber nichts wissen, gerade im Speerwurf der Frauen ist immer viel möglich. Auch das Wetter könnte einen großen Einfluss auf die Ergebnisse haben, denn bei Regen ist ihre Technik mit dem Zangengriff definitiv ein Nachteil, wie man in Lausanne beim Diamond League Meeting gesehen hat. Trotzdem bleibt die aktuell weltbeste Speerwerferin Österreichs größte Medaillenhoffnung bei dieser WM, denn die im August aufgetretenen leichten Probleme mit der Ferse und den Rippen sollten mit intensiver Physiotherapie ausgemerzt worden sein.
In den horizontalen Sprungbewerben und allen Wurfbewerben kommt im FINALE das 10-8-6 Event System zur Anwendung.
Top 12 (alle Finalisten) - 3 Sprünge / Würfe
Top 10 (nach 3 Versuchen) - 4. Sprung / Wurf
Top 8 (nach 4 Versuchen) - 5. Sprung / Wurf
Top 6 (nach 5 Versuchen) - 6. Sprung / Wurf
„Ich bin ganz zufrieden mit meiner Saison, eine „World Lead“ Marke stehen zu haben ist natürlich etwas ganz Besonderes. Die letzten Wochen waren aber verletzungsbedingt relativ mühsam und bei der WM werden alle Karten neu gemischt. Ich bin schon sehr gespannt, freue mich auf ein volles Stadion, aufs Anfeuern meiner TeamkollegInnen und bin bereit Alles zu geben“

Endiorass Kingley – Dreisprung – PB/SB 16,85m (2025) ÖR
Im Dreisprung ist Endiorass Kingley (TGW Zehnkampf-Union) als erster männlicher ÖLV-Athlet in einem Sprungbewerb seit Hermann Fehringer vor 34 Jahren in Tokyo mit dabei, eine lange Durststrecke in dieser Disziplinengruppe geht damit zu Ende. Sein internationales Debüt in der allgemeinen Klasse gab der Oberösterreicher im März bei der Hallen-EM Apeldoorn (NED), wo er ausgezeichneter Neunter wurde und das Finale der Top-8 nur hauchdünn verpasste. Trotzdem war seine weitere steile Entwicklung, gerade nach der schweren Verletzung 2024, noch nicht absehbar, doch die folgende Freiluftsaison übertraf die Hallensaison bei Weitem.
Der Linzer steigerte sich praktisch mit jedem Wettkampf, bei seinem Sieg bei der Team-EM in Maribor (SLO) war es dann soweit, einer der ältesten ÖLV-Rekorde war Geschichte, 16,85m lautete die neue Bestmarke. Das brachte dem 23-Jährigen eine Einladung zum Diamond League Meeting in Monaco ein, später durfte er auch im elitären Feld beim Diamond League Finale in Zürich sein Können zeigen. Relativ souverän gelang dem Neo-Rekordhalter damit über das World Ranking auch die Qualifikation für die WM in Tokyo, wo er sich der drittjüngste Athlet im Starterfeld mit dem Einzug ins Finale der Top-12 ein zwar hohes, aber nicht ganz unmögliches Ziel gesetzt hat.
„Ich freue mich schon sehr auf die WM. Die beiden Diamond League Starts haben sicher geholfen, auch wenn ich dort noch sehr nervös war neben all den Superstars zu starten. Aber die Form ist da und ich habe jetzt auch die Mentalität diese im Wettkampf umzusetzen. Ich habe heuer bei all den großen Wettkämpfen viel gelernt, das wird mir in Tokyo sicher helfen. Mein Ziel ist es ins Finale zu kommen, das setze ich mir.“

Karin Strametz – 100m Hürden – PB/SB 12,81s (2025) ÖR
Am härtesten zu kämpfen, um die notwendigen Punkte fürs World-Ranking zu sammeln, hatte 100m-Hürden-Sprinterin Karin Strametz (SU Leibnitz). Sie hat bereits viel Erfahrung bei Großereignissen, bei Hallen-WM, Hallen-EM und Freiluft-Europameisterschaften hatte sie es jeweils ins Semifinale geschaffte. Olympia 2024 wurde knapp verpasst, nun sollte es 2025 das WM-Debüt geben, so das Ziel der Steirerin im Frühjahr.
Die ersten Wettkämpfe der 27-Jährige versprachen schon Großes und beim bei Liese-Prokop-Memorial in St.Pölten folgte dann der Knalleffekt. 12,81s standen auf der Anzeigetafel, der Rückenwind war mit 1,6 m/s perfekt und sie durfte sich fortan ÖLV-Rekordhalterin nennen. Dann kamen aber Achillessehnenprobleme dazwischen, die für einige Wochen keine weiteren Wettkämpfe zuließen. So musste die Leibnitzerin im August jede Chance und jede Startmöglichkeit nützen, Rennen mit guten Zeiten in Griechenland, der Slowakei und Israel brachten schlussendlich aber die notwendigen Punkte um in Tokyo nun mit dabei sein zu dürfen. Wie sehr die Punktejagd, der Reisestress und der immer vorhandene Druck, gut performen zu müssen, Strametz ausgelaugt haben, wird man erst in Tokyo sehen wenn die Vorläufe auf dem Programm stehen.
„Durch das extrem hohe Niveau im Frauen-Hürdensprint wird es sicher nicht leicht in Tokyo, aber auch ich habe mich gut weiterentwickelt. Ich muss mich sowieso auf mich konzentrieren und einmal meine Aufgaben erledige, damit ich meine Ziele erreiche. Wenn ich einen guten Lauf hinlege und ich Richtung meiner PB komme ist auch das Semifinale erreichbar. Ich gehe mit viel Selbstvertrauen nach Japan, ich habe gute Wettkämpfe in den Beinen und freue mich auf meine erste WM.“

Lukas Weißhaidinger – Diskuswurf – PB 70,68m (2023) / SB 67,03m (2025)
An seiner bereits sechsten WM nimmt Diskus-Ass Lukas Weißhaidinger (ÖTB-OÖ LA) in Tokyo teil, die letzten vier Mal stand er im Finale, 2019 in Doha durfte sich Österreichs Rekord-WM-Teilnehmer sogar die Bronzemedaille umhängen lassen. Ein ähnlich hoch einzuschätzender Erfolg gelang ihm dann auch 2024 bei den Europameisterschaften in Rom (ITA), als er mit Rang 2 seine erste Silbermedaille holen konnte. 2025 gab es dann privat mit der Geburt des ersten Kindes und dem Beginn des Hausbaus im heimatlichen Innviertel zwei einschneidende Ereignisse. Somit teilte der Weltklasse-Diskuswerfer sein Training zwischen Südstadt und Taufkirchen auf, unternahm weniger Reisen zu Meetings im Ausland und ließ die Diamond League fast komplett aus.
Der Saisonaufbau wurde ganz auf die spät im Jahr stattfindende WM ausgerichtet, stetige Steigerungen bis in den September waren der Plan. International ging im Diskuswurf hingegen heuer schon im Frühjahr die Post ab, gleich elf Athleten haben 2025 bereits weiter als 70m geworfen, ein in der Geschichte bislang unerreichter Wert. Viele dieser Resultate wurden aber bereits im April auf der „Segelwiese“ in Ramona (USA) erzielt, wieviel sie im September dann in Japan Wert sein werden ist ungewiss. Der Oberösterreicher scheint aber wie immer vor einem Großereignis in Top-Form zu sein, die Erfahrung und die damit einhergehende Ruhe sollte ihm einmal in der Qualifikation die nötige Sicherheit geben gut abzuschneiden. Und sollte es wie gewünscht ins Finale gehen, dann wird der 33-Jährige mit seiner Routine sicher ein Wörtchen um eine Top-Platzierung mitreden wollen.
„Die Erinnerungen an das Stadion in Tokyo und die Olympia-Medaille werde ich nie vergessen, das war richtig cool. Die Diskus-Szene hat sich in den letzten Jahren verändert, jetzt kommen dauernd neue junge Werfer dazu und schlagen gleich richtig ein. Man muss aber schon schauen, wo die viele weiten Würfe gemacht wurden, die wichtige Geschichte wird dann erst in Japan geschrieben. Entscheidend bei dieser langen Saison wird auch sein frisch zu bleiben und in Tokyo die Leistung noch abrufen zu können. Bei meinen vielen Weltmeisterschaften konnte ich schon viel Erfahrung sammeln und ich bin diesmal der Jäger, vielleicht unterschätzen mich daher einige. Ich will dort meine Saisonbestleistung steigern und ins Finale zu kommen, dann ist sicher auch nach vorne noch etwas möglich.“

Die WM im Internet
Startlisten / Live-Ergebnisse folgt
Fotos
ÖLV-Flickr-Album (Bilder honorarfrei verwendbar bei Nennung © ÖLV / Sonia Maleterova )
Fotos: © WCH Tokyo25, GEPA Pictures
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