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WM Tokyo: Vorschau Teil 3 - Lauf, Marathon

© WCH Tokyo25

Von Samstag, 13. September bis Sonntag, 21. September 2025 gehen im „Japan National Stadium“ in Tokyo (JPN) die 20. World Athletics Championships über die Bühne. Insgesamt wird die Rekordzahl von 2.187 Athleten aus 202 Nationen in Japan an den Start gehen und um 49-mal Gold, Silber und Bronze kämpfen.

Auch zehn Österreicher/innen sind dabei, heute werfen wir (in alphabetischer Reihenfolge) einen Blick auf die Disziplinengruppen Lauf und Marathon.

Caroline Bredlinger – 800m – PB/SB 1:58,95min (2025)

In den letzten Jahren oft knapp dran an einer Teilnahme an internationalen Meisterschaften war Caroline Bredlinger (LT Bgld Eisenstadt), doch erst 2025 ging ihr der Knopf über die 800m so richtig auf. Im Februar war sie auch heuer zuerst wieder hauchdünn am direkten Limit für die Hallen-EM gescheitert, bevor sie es doch noch übers World-Ranking nach Apeldoorn (NED) schaffte. Dort und auch bei der drei Wochen später stattfindenden Hallen-WM in Nanjing (CHN) zeigte die Burgenländerin dann ihr großes Potential. Sie sah, dass sie mit der Weltklasse mithalten konnte, was ihr Selbstvertrauen enorm steigerte. Jetzt galt es diesen Schwung auch in die Freiluftsaison mitzunehmen, was in den Jahren zuvor nicht immer optimal gelungen war.

Gleich mit dem ersten Rennen überraschte sich die 24-Jährige aber selber und blieb bei der Track Night Vienna erstmals in ihrer Karriere unter der 2-Minuten-Schallmauer. Damit war der Bann gebrochen und die Zeiten purzelten weiter. Auch eine Qualifikation für Tokyo über das World Ranking wurde nicht notwendig, denn bei ihrem Sieg bei der Team-EM in Maribor (SLO) blieb die Trausdorferin dann sogar unter der direkten WM-Norm. Wenig später konnte sie diese Leistung mit dem Sieg beim renommierten ISTAF Berlin Meeting gleich noch einmal bestätigten und sich endgültig einen Namen machen, wodurch sie auch eine Einladung zum Diamond League Meeting in Lausanne (SUI) erhielt.

Wir hatten über die letzten Jahre den Ansatz verfolgt möglichst schonend und langfristig denkend zu trainieren. Das hat gut funktioniert, denn ich war nie verletzt. Jetzt war aber auch klar, dass wir heuer an den Schrauben drehen müssen. Wir haben auch neue Trainingsmethoden dazugenommen, die haben mir sehr geholfen. Die Trainings im Frühjahr haben dann schon gezeigt, dass die Form stimmt und die ersten Rennen haben das ja dann auch bestätigt. Mittlerweile übernehme ich in Rennen auch schon die Initiative, wenn es die Konkurrentinnen nicht machen. Die Vorläufe in Tokyo werden sicher sehr taktisch gelaufen, da ist sicher vieles möglich und der Ausgang nur schwer vorherzusagen. Gerade in meinem Leistungsbereich ist die Dichte sehr groß, aber mein erstes Ziel ist das Semifinale.“

(C) GEPA Pictures

Susanne Gogl-Walli – 400m – PB 50,60s (2024) / SB 50,91s (2025)

Nach vielen erfolgreichen Jahren, u.a. mit Platz 6 bei der Hallen-WM 2024, hat heuer bei 400m-Ass Susanne Gogl-Walli (TGW Zehnkampf-Union) der Verletzungsteufel gleich mehrfach zugeschlagen. Endete die Saison 2024 nach dem Einzug ins Olympia-Semifinale und dem wenig später erzielten österreichischen Rekord noch sehr erfreulich, folgte dann eine sehr schwierige Phase. Fast die gesamte Hallensaison musste die Oberösterreicherin wegen Wadenproblemen auslassen und verpasste dadurch sowohl Hallen-EM als auch -WM.

Dann gelang der 29-Jährigen der Aufbau für die Freiluft-Saison aber scheinbar wie gewohnt ausgezeichnet, nach einem Auftritt bei der Diamond League in Doha (QAT) folgte ein extrem starkes Rennen in Polen, wo sie schon wieder knapp an ihren ÖLV-Rekord herankam. Danach kam aber die Verletzung im Unterschenkel zurück, die später auch ins Knie ausstrahlte und eine wochenlange Trainings- und Wettkampfpause bis Ende Juli nach sich zog. Nun reist die Linzerin, nach einem erneuten Aufbau und ohne weitere Rennen in den Beinen zu haben, also mit etwas Ungewissheit im Gepäck nach Japan. An Tokyo hat Gogl-Walli aber sehr gute Erinnerungen, zog sie dort doch bei ihrer Olympia-Premiere vor 4 Jahren gleich ins Semifinale ein, ein Kunststück, das ihr auch bei ihren beiden bisherigen WM-Auftritten gelang.

„Nach dem guten Saisonstart war die Verletzung leider sehr hartnäckig und ich konnte über viele Wochen gar kein Lauftraining machen. Seit August funktioniert aber der Trainingsbetrieb wieder ganz normal, ich konnte mich Stück für Stück wieder in eine Wettkampfform zurückkämpfen. Wir haben versucht für die WM das Maximum aus dem Training herauszuholen, ohne Wettkämpfe war das natürlich eine riesige Herausforderung, aber ich bin optimistisch. Mit Tokyo verbinde ich sehr schöne Erinnerungen, es waren meine ersten Olympischen Spiele. Ich konnte eine Bestleistung aufstellen und möchte auch diesmal die schnelle Bahn ausnützen.“

(C) GEPA Pictures

Aaron Gruen – Marathon – PB/SB 2:09:53 Std (2025) ÖR

Seit heuer hat Österreich mit Aaron Gruen (ÖBV Pro Team) einen neuen „Marathon-Mann“ im internationalen Geschäft. Seine Geschichte ist bunt, vielseitig und abwechslungsreich wie er selbst. Aufgewachsen zuerst in München (GER), lebte der jetzt 26-Jährige dann als Jugendlicher in Oxford (GBR) und übersiedelte später in die USA, wo er Studien der Musik und Chemie absolvierte. Zuerst hat er sich als hervorragender Cellist einen Namen gemacht, jetzt gelang ihm das auch als Läufer. Und das obwohl er erst 2021 mit geregeltem Lauftraining begann und im Jahr darauf seinen ersten Marathon bestritt. Die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt Gruen, dessen Großvater zu Beginn des Zweiten Weltkriegs als jüdischer Flüchtling aus Wien in die USA emigriert war, ebenfalls 2022.

Gerade einmal drei Jahre später ist der jetzt in Boston (USA) lebende Ausdauerathlet nun für die WM in Tokyo qualifiziert und möchte dort die rot-weiß-rote Farben mit einem starken Auftritt gut vertreten. Möglich gemacht hat das ein tolles Rennen bei einem WM-Qualifikations-Marathon am 30. März in Valley Cottage in New York (USA), wo er den österreichischen Rekord auf 2:09:53 Std drückte und damit als erster Österreicher unter der 2:10-Schallmauer blieb. In Japan wird es zeitmäßig sicher nicht in diese Richtung gehen, ist der Kurs doch um einiges schwieriger und es sind hohe Temperaturen und große Luftfeuchtigkeit prognostiziert. Vom Stadion geht es einmal gut 7km Richtung Stadtzentrum 30 Höhenmeter bergab, dann sind zwei Runden mit je knapp 14 km und jeweils drei 180 Grad-Wenden zu absolvieren, bevor es wieder die 7 km und 30 Höhenmeter bergauf zurück zum Stadion geht.

„Mit dem Trainingsverlauf und der Vorbereitung bin ich sehr zufrieden. Die letzten Wochen sind gut verlaufen und ich fühle mich bereit für den WM-Marathon. Ich erwarte ein sehr heißes und daher herausforderndes Rennen, es wird sicher eine schwierige Aufgabe für alle Teilnehmer. Um mich auf die Hitze gut vorzubereiten habe ich viel in warmer Kleidung trainiert. Für mich gilt es möglichst viele Konkurrenten hinter mir zu lassen, es geht nicht um Bestzeiten, sondern nur um die Platzierung. Ich freue mich schon darauf zu sehen, was dann am Marathontag möglich ist.“

(C) Bruce Bybee

Julia Mayer – Marathon – PB 2:26:43 Std (2023) / SB --

Bei den Olympischen Spiele in Paris (FRA) war Marathon-Läuferin Julia Mayer (DSG Wien) als letzte Österreicherin im Einsatz, in Tokyo eröffnet sie für das ÖLV-Team die WM. Viele erfolgreiche Jahre liegen hinter ihr, mehrere Rekorde und eine WM-Teilnahme 2023 in Budapest (HUN) brachten sie 2024 nach Frankreich. Doch der jahrelange Kampf, das ultimative Ziel im Zeichen der fünf Ringe zu erreichen, forderte von der Niederösterreicherin ihren Tribut, nach Paris fiel sie in ein mentales und körperliches Tief. Über den Winter musste sie Wettkämpfe absagen, bevor im Frühjahr die Freude am Laufen wieder kam und der Formaufbau für Tokyo beginnen konnte.

Die 32-Jährige absolvierte dann zur Vorbereitung mehrere Rennen auf Unterdistanzen über 5km, 10km und im Halbmarathon, die Formkurve ging dabei kontinuierlich nach oben. Hitzerennen ist die ÖLV-Rekordlerin ja gewöhnt, auch in Japan wird es beim Marathon wieder sehr warm werden. Die Streckencharakteristik mit dem „Schlussanstieg“ sollte der Bad Fischauerin doch entgegenkommen, auch beim Olympia-Marathon hatte sie die Anstiege sehr gut gemeistert. Vor zwei Jahren bei der WM in Budapest belegte Mayer genau Rang 50, wenn möglich sollte es heuer einige Plätze weiter nach vorne gehen. Startzeit des Marathons ist um 8 Uhr lokaler Zeit, also 1 Uhr nachts in Mitteleuropa.

„Ich habe ja schon einige Marathons bei heißen Bedingungen erlebt, in der Vorbereitung trainiere ich auch oft in der Sauna am Laufband. Das ist zwar wirklich nicht lustig, aber ich bin überzeugt es wird sich auszahlen. Ich bin wahrscheinlich in der Form meines Lebens und kann sicher sehr schnell laufen. Es wird aber nicht sehr schlau sein das Rennen bei großer Hitze und rund 80% Luftfeuchtigkeit zu schnell anzugehen. Ich werde daher etwas defensiver beginnen und im Laufe des Rennens schauen was dann hinten raus noch geht. Als Ziel setze ich mir besser als bei der WM in Budapest platziert zu sein.“

(C) GEPA Pictures

Raphael Pallitsch – 1500m – PB/SB 3:32,96min (2025) ÖR

Nachdem sich Raphael Pallitsch (Union St.Pölten) letztes Jahr seinen großen Traum einer Olympia-Teilnahme erfüllt hatte, mussten neue Ziel für die „Karriere danach“ her. Das Finale über 1500m bei der Hallen-EM in Apeldoorn (NED) verpasste er zwar hauchdünn, dafür kam es dann drei Wochen später im Endlauf bei der Hallen-WM in Nanjing (CHN) zum großen Auftritt als er sogar auf eine Medaille losging, am Ende aber „nur“ mit Rang 7 belohnt wurde. Danach gab es für den Burgenländer gleich mehrere Tiefs zu überwinden, Erkrankungen und eine durch einen Unfall verursachte Nackenverletzung unterbrachen den Trainingsprozess gleich mehrfach. Umso überraschender für ihn selbst kam dann die Verbesserung seines eigenen ÖLV-Rekordes und das Unterbieten der WM-Norm beim Freiluft-Saison-Debüt im Juni in Ostrava (CZE).

Aber auch der Juli verlief dann nicht optimal, daher startete der 35-Jährige im Sommer nur bei den Staatsmeisterschaften, wo er über 800m und 1500m das Gold-Double schaffte. Dann ging es ins Höhentrainingscamp nach St.Moritz, wo endlich das geplante Programm komplett abgespult werden konnte und der Formaufbau für Tokyo gelang. Das zeigte auch das vierte und bisher letztes Rennen des Oggauers in dieser Freiluftsaison, als er Anfang September in Italien bei einem kleinen Meeting den ÖLV-Rekord über 1.000m auf 2:17,89 min verbesserte. Nun geht es für den „Team-Senior“ also nach Japan zur zweiten WM, wo die Trauben sicher sehr hoch hängen werden. Gerade die 1500m haben in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung genommen, 2023 fuhr Pallitsch mit einer PB von 3:38,16min zur WM nach Budapest, jetzt ist er als ältester Läufer des Starterfeldes mit 3:32,96min in der Entry-List nicht viel weiter vorne platziert als damals.

„Ich war bis Ende August im Höhentrainingslager in St.Moritz, das super funktioniert hat. Das Frühjahr nach der Hallen-WM ist ja überhaupt nicht so verlaufen wie ich es mir vorgestellt hatte, daher bin ich sehr froh, dass ich die letzten vier Wochen eine super Phase im Training hatte, die mir viel Zuversicht gibt. Mit dem 1.000m-Rekord direkt nach dem Camp bin ich sehr zufrieden, gerade weil die Bedingungen sehr schlecht waren. Um in Tokyo ins Semifinale zu kommen muss ich mich aber noch weiter steigern, da braucht es neben taktischen Finessen auch die notwendige Physis. Mittelstreckenlauf ist ja immer ein Kampf Mann gegen Mann, es geht oft sehr körperbetont zu und man muss sich durchsetzen. Ich bin bereit mit dem Messer zwischen den Zähnen an der Startlinie zu stehen und freue mich schon auf die WM.“

(C) ÖLV

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10/09/25 22:04, Text: Georg Franschitz

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