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World Ranking vor Freiluft-WM und -EM im Fokus

Susanne Walli (C) GEPA-Pictures

Durch die Änderung des Qualifikationssytems für Welt- und Europameisterschaften in der Allgemeinen Klasse rückt das World Ranking immer mehr in den Fokus des Interesses. Qualifikationen durch das Erbringen der sehr harten Limits zur Direktqualifikation sollen dem Ansinnen von World und European Athletics nach nur mehr der Seltenheit angehören.

Das World Ranking soll zusätzlich Spannung erzeugen und vor allem auch das tatsächliche Leistungsvermögen eines Athleten oder einer Athletin widerspiegeln und Einmal-Ergebnisse ("One-Hit-Wonder") degradieren. Daher werden je nach Disziplin fünf Ergebnisse (Sprint, Langsprint, 800 m,  1.500 m, Hürden, technische Disziplinen), drei Ergebnisse (5.000 m, 10.000 m) oder zwei Ergebnisse (Marathon, Mehrkampf), meistens innerhalb von zwölf Monaten (Ausnahmen: Mehrkampf, Marathon 18 Monate), zur Einstufung herangezogen. Jeden Mittwoch wird neu berechnet und das aktualisierte World Ranking in jeder Disziplin veröffentlicht.

Regeländerungen für das Jahr 2022

Die Detailregelungen sind nicht ganz einfach, Bonus- und Maluspunkte aufgrund der Windstärke im Sprint, eine nicht immer ganz übersichtliche Kategorisierung der Wettkämpfe sowie Alternativdisziplinen machen die Nachvollziehbarkeit der World-Ranking-Berechnung nicht ganz einfach.

Seit Beginn des Jahres zählt nun der 10 km Straßenlauf als Alternativdisziplin für die 10.000-m-Wertung, die 5.000 m werden jetzt nicht mehr dafür berücksichtigt. Für die WM- und EM-Qualifikation werden demnach zwei 10.000-m-Rennen oder ein 10.000-m- und ein 10-km-Straßenlaufrennen herangezogen. Das gilt es für Julia Mayer und Andreas Vojta zu bedenken, falls sie Starts über die längste Stadiondistanz in München anstreben, was sie sich noch offen halten. Sämtliche Hallenbewerbe wurden ebenfalls als "Similar Events" eingestuft, daher kommen bei Riccardo Klotz, Markus Fuchs, Karin Strametz und Co. nur zwei Wettkämpfe aus der abgelaufenen Hallensaison in ihre Fünfer-Wertung.

Klotz, Strasser & Fuchs mit guten Punkten

Betrachtet man die Hallenwettkämpfe, so konnten bei den Männern vor allem Stabhochspringer Riccardo Klotz, Hochspringer Lionel-Afan Strasser und Sprinter Markus Fuchs ihre Ausgangssituation für eine mögliche EM-Qualifikation vor der Freiluftsaison deutlich verbessern, wie nachfolgende Tabelle verdeutlicht.

Punkte World Ranking Athlet/in Veranstaltung Ergebnis World Ranking Punkte (Leistung + Platzierung)
1.170 bestes Ergebnis Markus Fuchs Linz, 26.2.2022 60m - 6,64 (1.) 100 m 1.130 + 40 = 1.170 Punkte
1.169 bestes Ergebnis Riccardo Klotz Istanbul, 5.3.2022 Stab - 5,50 (1.) Stabhochsprung 1.129 + 40 = 1.169 Punkte
1.144 drittbestes Ergebnis Riccardo Klotz Innsbruck, 15.1.2022 Stab - 5,50 (1.) Stabhochsprung 1.129 + 15 = 1.144 Punkte
1.138 drittbestes Ergebnis Markus Fuchs Istanbul, 5.3.2022 60m - 6,68 (3.) 100 m 1.108 + 30 = 1.138 Punkte
1.112 zweitbestes Ergebnis Lionel-Afan Strasser Linz, 26.2.2022 Hoch - 2,18 (1.) Hochsprung 1.072 + 40 = 1.112 Punkte
1.087 drittbestes Ergebnis Lionel-Afan Strasser Wien, 23.12.2021 Hoch - 2,18 (1.) Hochsprung 1.072 + 15 = 1.087 Punkte
1.072 zweitbestes Ergebnis Andreas Steinmetz Linz, 26.2.2022 Hoch - 2,14 (2.) Hochsprung 1.037 + 35 = 1.072 Punkte
1.046 drittbestes Ergebnis Andreas Steinmetz Lviv, 15.1.2022 Hoch - 2,15 (4.) Hochsprung 1.046 + 0 = 1.046 Punkte

Strametz, Grünwald mit je zwei Hallenwerten - Huemer ebenfalls

Bei den Damen konnte Hürdensprinterin Karin Strametz ihr Punktekonto mit zwei Hallenergebnissen aufbessern, sie liegt aber im World Ranking noch zurück, da sie in der letzten Freiluftsaison wenige Punkte erzielte. Weitspringerin Ingeborg Grünwald schrieb ebenfalls zwei Mal an, allerdings brachten ihre US-Wettkämpfe lediglich zweimal 15 Platzierungsbonuspunkte. Wenig, in Richtung EM-Qualifikation. Mehrkämpferin Sarah Lagger erhielt für ihren Staatsmeistertitel 1.126 Punkte und für den achten Hallen-WM-Platz 1.125 Punkte, ihr Linzer Fünfkampf ist daher für die EM-Qualifikation relevant, da bei den Mehrkämpferinnen nur ein Hallenergebnis berücksichtigt wird. Allerdings strebt Lagger die Direktqualifikation für München beim Hypomeeting Götzis an. Dafür sind dort 6.250 Punkte nötig.

Sehr gut ist nach wie vor die Ausgangsposition für 200-m-Sprinterin Ina Huemer und zwar trotz ihrer Verletzung in der aktuellen Hallensaison. Ihre beiden super Hallenzeiten im Juli des Vorjahres im altehrwürdigen Ferry-Dusika-Stadion bleiben für die WM-Qualifikation in der Wertung und für die EM zählt dann immerhin noch ein Ergebnis davon. Vorausschauende Planung macht sich in Sachen World Ranking absolut bezahlt.

Punkte World Ranking Athlet/in Veranstaltung Ergebnis World Ranking Punkte (Leistung + Platzierung)
1.149 bestes Ergebnis Karin Strametz Linz, 27.2.2022 60Hü - 8,23 (1.) 100 m Hürden 1.109 + 40 = 1.149 Punkte
1.126 zweitbestes Ergebnis Sarah Lagger Linz, 13.2.2022 5Kampf - 4.468 (1) Siebenkampf 1.096 + 30 = 1.126 Punkte
1.119 drittbestes Ergebnis Karin Strametz Linz, 19.2.2022 60Hü - 8,23 (2.) 100 m Hürden 1.109 + 10 = 1.119 Punkte
1.118 viertbestes Ergebnis Magdalena Lindner Linz, 26.2.2022 60m - 7,42 (1.) 100 m 1.078 + 40 = 1.118 Punkte
1.105 drittbestes Ergebnis Ingeborg Grünwald Birmingham, 19.2.2022 Weit - 6,41 (1.) Weitsprung 1.090 + 15 = 1.105 Punkte
1.090 viertbestes Ergebnis Ingeborg Grünwald College Station, 5.2.2022 Weit - 6,35 (1.) Weitsprung 1.075 + 15 = 1.090 Punkte

Alle WM- und EM-Kandidat/innen, die keine zählbaren Hallenergebnisse erzielen konnten, müssen ihr Glück in einer kurzen und intensiven Freiluftsaison suchen. Spitzenleistungen bei den Freiluft-Staatsmeisterschaften, den Balkan-Meisterschaften (beide Kat. B) sowie den punktebesten Ein-Tages-Meetings in Österreich - Eisenstadt (Kat. C) und St. Pölten (Kat. D) - sind wohl ein Muss.

Weißhaidinger, Dadic und Mayr können es entspannt angehen

Diskuswurf-Olympiadritter Lukas Weißhaidinger ist ebenso wie seine Mehrkampf-Kolleginnen alle Sorgen los. Bei den Olympischen Spielen in Tokyo übertraf er sowohl die Quali-Weiten für Eugene als auch für München und hat seine Fix-Tickets für WM und EM bereits inne. Die Siebenkämpferinnen Verena Mayr und Ivona Dadic haben in Tokyo die EM-Direktqualifikation geschafft und liegen im World Ranking aufgrund ihrer Vorleistungen so gut, dass sie de facto auch ihren WM-Startplatz bereits sicher haben. 400-m-Läuferin Susanne Walli kann bereits fix mit der EM planen, denn in Tokyo unterbot sie mit 51,52 s die Norm dafür. Für die WM ist die Qualifikation noch ausständig.

Road-to-Eugene- und Road-to-Munich-Rankings online

Die internationalen Verbände wollen mit eigenen Road-to-Eugene- und Road-to-Munich-Seiten den Qualifikationsprozess transparent begleiten. Das bringt aber derzeit noch wenig Erleuchtung, denn die Listen sind aktuell noch sehr unvollständig, da sie im Gegensatz zum tatsächlichen World Ranking nur jene Leistungen berücksichtigen, die in den tatsächlichen Qualifikationszeiträumen liegen. Und da weist eine Vielzahl an Top-Athlet/innen nicht einmal die erforderliche Anzahl von zählbaren Ergebnissen auf, die nach dem 29. Juni 2021 für die WM-Qualifikation bzw. 27. Juli 2021 für die EM-Qualifikation erzielt wurden. Im Laufe der Freiluftsaison werden diese Listen dann sicherlich immer interessanter werden.

"Hätt' i, war' i" - Sieben WM- und zehn EM-Qualifizierte wäre heute Stichtag

Wäre heute Stichtag zur WM-Qualifikation wären neben Weißhaidinger, Mayr und Dadic auch Speerwerferin Victoria Hudson (14. im Road-to-Eugene-Ranking), Susanne Walli sogar über 200 m (54.) und 400 m (39.), Beate Taylor (Schrott) über 100 m Hürden (36.) und Eva Wutti im Marathon (97.) für Eugene qualifiziert, weil sie ausreichend sehr gute Platzierungen im Qualifikationszeitraum 29.6.2021 bis heute aufweisen. Der Konjunktiv sei doppelt unterstrichen.

Für die EM in München kämen bei der heutigen Betrachtung neben den Fix-Qualifizierten Weißhaidinger, Dadic, Mayr und Walli noch sechs ÖLV-Athlet/innen dazu: Magdalena Lindner (100 m, 25.), Sarah Lagger (Siebenkampf, 20.), Andreas Vojta (10.000m, 25.) sowie Riccardo Klotz (Stabhoch, 22.). Da für dieses Road-to-Munich-Ranking, wie bereits beschrieben, nur Wettkämpfe ab 27.7.2021 herangezogen werden, ist die Liste sehr ausgedünnt. So fehlt zum Beispiel Speerwerferin Victoria Hudson völlig, weil sie - wie viele andere Top-Athlet/innen - noch keine fünf Wettkämpfe im Beobachtungszeitraum bestritten hat. Die geforderte Anzahl an Wettkämpfen erfüllen stattdessen zwei ÖLV-Nachwuchsathleten, die, wenn heute abgerechnet werden würde, ein München-Ticket inne hätten. Bei 5.000-m-Läufer Emil Bezecny (aktuell 30.) und Dreispringer Endiorass Kingley (aktuell sogar 13.) wird die EM-Qualifikation aber im Endeffekt nur eine theoretische Spielerei bleiben. Sie belegen aber sehr gut, die äußert geringe Aussagekraft der Road-to-Munich-Website zum heutigen Tag.

Die verlinkte Datei gibt einen Überblick über die verfügbaren WM- und EM-Startplätze pro Disziplin und die extrem hohen Limits zur Direkt-Qualifikation, die verletzten Superstars eine Hintertür zum Startplatz offen lassen sollen, wenn sie nicht auf die geforderte Anzahl an zählbaren Ergebnissen im Qualifikationszeitraum kommen.

Die wichtigsten Freiluft-Events im Zuge der WM- und EM-Qualifikation

24.04.2022 - Vienna City Marathon (World Athletics Label Race)
15.05.2022 - Marathon-Staatsmeisterschaften beim Salzburg Marathon
26.05.2022 - Liese-Prokop-Memorial, St. Pölten (European Area Permit Meeting)
28./29.05.2022 - Hypo-Mehrkampfmeeting, Götzis (World Athletics Combined Event Tour)
02.06.2022 - Raiffeisen Austrian Open Eisenstadt (World Athletics Continental Tour Bronze)
18./19.06.2022 - Balkan-Meisterschaften, Craiova (ROU)
25./26.06.2022 - Österr. Staatsmeisterschaften. St. Pölten

Foto (C) GEPA-Pictures, nicht honorarfrei verwendbar

24/03/22 08:08, Text: Helmut Baudis

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