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EM Birmingham: Vorschau Teil 2 - Sprint, Lauf und Staffel

© ECH Birmingham2026

Von Montag, 10. August bis Sonntag, 16. August 2026 gehen im Alexander Stadium von Birmingham (GBR) die 27. European Athletics Championships über die Bühne. Insgesamt werden an den Leichtathletik Europameisterschaften die Rekordzahl von 1.645 Athleten aus 49 Nationen an den Start gehen (805 Frauen, 840 Männer), wenn es 50x um Gold, Silber und Bronze geht. Mit 24 Aktiven entsendet der ÖLV das größte Team in der Geschichte von Europameisterschaften. Heute geht es (in alphabetischer Reihenfolge) um die Disziplinengruppen Sprint, Lauf und Staffel.

Caroline Bredlinger – 800m PB 1:58,95min (2025) / SB 1:59,36min

Auf der Suche nach dem perfekten Rennen befindet sich in dieser Saison Caroline Bredlinger noch. War es einmal der heftige Wind, einmal der starke Regen, einmal die Kälte, einmal Rangeleien, einmal eine Erkrankung, jedes Mal verhinderten andere Gründe ein flüssiges und störungsfreies Rennen, das für eine schnelle Zeit notwendig ist. Die Form der Burgenländerin stimmt jedenfalls, die ließ sie zwischendurch immer mal wieder aufblitzen. Interessanterweise ist es die erste Freiluft-EM für die 25-Jährige, Freiluft-WM, Hallen-WM und Hallen-EM hat sie ja schon bestritten. Ein Semifinaleinzug ist der Papierform nach möglich und auch das Ziel von Bredlinger.

Ziel: „Ich würde gerne ins Semifinale kommen, mir ist aber auch bewusst, dass das bei der momentanen Dichte über 800m extrem schwierig wird. Momentan entwickeln sich über diese Distanz alle weiter und werden stärker, nicht nur ich, so wird viel vom Rennverlauf abhängen.“

Markus Fuchs – 100m PB 10,08s (2023) / SB 10,32s

Seit 2016 ist Sprinter Markus Fuchs bei jeder EM dabei gewesen, es ist also seine bereits fünfte EM-Teilnahme. Seit seinem ÖLV-Rekord 2023 ist aber etwas der Wurm beim Niederösterreicher drinnen, immer wieder warfen ihn Verletzungen im Trainings- und Wettkampfprozess zurück und verhinderten einen kontinuierlichen Formaufbau. Auch heuer lief nicht alles rund beim 30-Jährigen, die EM-Qualifikation übers World-Ranking kam dann doch etwas überraschend. In Birmingham will Fuchs auch das Drama von der EM 2024 in Rom vergessen machen, als er im Semifinale den Rückschuß nach einem Fehlstart nicht hörte, den Lauf voll durchzog und wenig später im Wiederholungslauf den erhofften Finaleinzug verpasste. 

Ziel: „Ich möchte das Beste geben was möglich ist. Nach den letzten beiden Jahren mit den Verletzungen und der nicht optimalen Vorbereitung ist es ein Pokern, ob es klappt. Ich fahre ohne große Erwartungen nach Birmingham, es kann in alle Richtungen ausschlagen. Die EM ist sicher eine Belohnung fürs niemals Aufgeben für mich.“

Susanne Gogl-Walli – 400m PB 50,60s (2024) / SB 51,77s (i)

Ebenfalls zwei schwierige Jahre hat Susanne Gogl-Walli nach zuvor vielen sehr erfolgreichen Jahren hinter sich. War sie schon letztes Jahr wegen muskulärer Probleme gerade rechtzeitig für die WM in Tokyo fit geworden, war es heuer ein Zwicken in der Wade, das lange einen Saisoneinstieg verhinderte. Dadurch war es für die Oberösterreicherin dann ab Juli auch nicht leicht gute Rennen bzw. gute Bahnen zu bekommen. Jetzt ist die 30-Jährige aber trotzdem bei ihrer bereits dritten EM dabei, ob der verzögerte Formaufbau schon für Top-Zeiten oder wie 2024 in Rom für einen Finaleinzug reicht wird man aber erst in Birmingham sehen, ein letzter Test auf der 300m-Strecke verlief für Gogl-Walli jedenfalls sehr erfreulich.

Ziel: „Die Saison war sehr herausfordernd, weil ich durch Verletzungsprobleme im Mai und Juni nicht normal trainieren konnte. Daher freut es mich sehr, dass ich mich noch für die EM qualifizieren konnte. Dort möchte ich neue Saisonbestzeit aufstellen und werde darum kämpfen, eine Runde weiterzukommen.“

Magdalena Lindner – 100m PB/SB 11,26s & 4x100m

Wie schon 2022 und 2024 darf Magdalena Lindner auch diesmal in Birmingham wieder in gleich zwei Disziplinen antreten, sie wird über 100m und in der 4x100m-Staffel am Start stehen. Zusätzlich wäre sie erstmals auch über 200m qualifiziert gewesen, der Zeitplan verhindert aber einen Dreifach-Start. Die Niederösterreicherin hatte sich heuer schon in der Halle gesteigert, jetzt nahm sie die gute Form auch in die Freiluft-Saison mit und verbesserte dort ihren Hausrekord auch über die 100m, womit ein Semifinaleinzug in greifbare Nähe rückt. Auch in der Staffel ist die 26-Jährige ein wichtiger Baustein der Erfolge der letzten Jahre, der Aufschwung soll in dieser Disziplin mit dem Finaleinzug gekrönt werden.

Ziel: „Ich möchte bei der EM wieder so einen guten Lauf abliefern wie schon mehrfach heuer. Die Vorbereitung lief sehr gut, es sind in den letzten Tagen auch wieder einige Trainings-PBs gefallen. Das möchte ich am Montag auf die Bahn bringen, dann schauen wir was fürs Semifinale notwendig ist, weil das Niveau in meinem Bereich sehr dicht ist. Aber das Semifinale wäre eine schöne Belohnung für mich. In der Staffel wollen wir unser läuferisches Potential ausnützen und gut übergeben. Wenn das alles passt kann es ganz weit gehen.“

Julia Mayer – Marathon PB 2:26,08 Std (2025) / SB 2:29,48 Std

2022 waren es die 10.000m, zwei Jahre später der Halbmarathon. Jetzt verdoppelt Julia Mayer die Distanz und bestreitet bei ihrer dritten EM den Marathon. Der große Knaller gelang ihr letzten Dezember in Valencia, als sie wiederum neuen ÖLV-Rekord auf der klassischen 42,195km langen Strecke lief. Seit damals wurde die Niederösterreicherin Staatsmeisterin in Linz und bestritt neben einem Halbmarathon auch einen Berglauf, um sich auf die sehr hügelige Rundstrecke im Stadtzentrum von Birmingham optimal vorzubereiten. Beim Olympia-Marathon 2024 zeigte sich die 33-Jährige von einem ähnlichen Streckenprofil unbeeindruckt, darum ist ihr durchaus ein Vorstoß in die Top-20 bei dieser EM zuzutrauen.

Ziel: „Ich freue mich schon riesig auf die EM, es wird sicher ein sehr spannender Marathon. Innerstädtisch mit diesen Höhenmetern hat es das sicher noch nie gegeben, das wird extrem hart. Dementsprechend gibt es auch kein Ziel was die Zeit betrifft. Es wird wahrscheinlich auch sehr taktisch. Ich möchte meine Form, die wahrscheinlich so gut wie noch nie ist, ausnützen und mich in dem extrem starken Feld durchsetzen. Schauen wir was dann am Ende rauskommt.“

Raphael Pallitsch – 1.500m PB 3:32,96min (2025) / SB 3:33,41min

„EM Rom: Raphael Pallitsch beschließt erfolgreichste EM für Österreich als großartiger Sechster“, so lautete die Schlagzeile am letzten Tag der EM in Rom 2024. Der sensationelle Endspurt des Burgenländers, als er auf den letzten 200 Metern von Platz 14 auf Rang 6 vorstieß und eine Medaille nur hauchdünn verpasste wird wohl jedem heimischen Leichtathletik-Fan noch lange in Erinnerung bleiben. Einen Olympia-Start und ein Hallen-WM-Finale später steht Pallitsch jetzt also wieder bei einer EM am Start und das Feld über 1500m ist hochklassig wie eh und je besetzt. Der 36-Jährige ist also noch immer da um zu bleiben, man wird sehen wie zündend sein Endspurt diesmal sein wird.

Ziel: „Wie bei den letzten Großereignissen ist auch bei der EM mein Ziel wieder der Finaleinzug. Da es mir oft gut gelungen ist, habe ich die entsprechende Zuversicht. Bei taktischen Rennen kann ich sicher auf meine Sprintqualitäten setzen. Die Dichte bei uns über 1500m ist seit einigen Jahren extrem, es liegen sehr viele von der Saisonbestleistung innerhalb nur weniger Zehntel. Es wird in den Vorläufen sicher sehr knapp hergehen, deshalb ist es wichtig am Tag X physisch und mental in der Lage zu sein nichts liegen zu lassen.“

Isabel Posch – 100m PB/SB 11,10s & 4x100m

Vor zwei Jahren stand Isabel Posch bei der EM in Rom noch als Siebenkämpferin am Start und belegte den starken 15.Platz. Es sollte auch ihre letzte Saison als Mehrkämpferin sein, denn ab 2025 konzentrierte sich die Vorarlbergerin auf den Sprint, in dem sie heuer so richtig durchstartete. Schon im Winter gelang die Qualifikation für die Hallen-WM und im Juni sorgte sie mit dem ÖLV-Rekord über 100m für einen Knalleffekt. Als verlässliche Schlussläuferin der Sprintstaffel ist die 26-Jährige mitverantwortlich für die tollen Zeiten, die heuer schon gelaufen wurden. In Birmingham will Posch jetzt in beiden Bewerben reüssieren und es in die nächsten Runden schaffen.

Isabel Posch: „Konkrete Ziele was Zeiten und Platzierungen angeht setze ich mir nie. Ich will Spaß haben, mit Köpfchen an die Sache herangehen und technisch saubere Rennen abliefern. Und dann schauen was rauskommt, das ist wie immer mein Motto.“

Lisa Redlinger – 5.000m PB/SB 15:12,03min

Einen leistungsmäßigen Quantensprung hat heuer Langstrecklerin Lisa Redlinger hingelegt. Die Vorarlberger Jungunternehmerin stellte bereits im April einen neuen ÖLV-Rekord im Straßenlauf über 5km auf und qualifizierte sich damit für die Road-Running-WM im September. Dann startete sie auf der Bahn eine Serie von ausgezeichneten 5.000m-Rennen, bei denen sie ihre bisherige PB von 16:36,10min bis auf 15:12,03min drückte. Auch auf dieser Distanz ist der ÖLV-Rekord bereits in Reichweite, vielleicht fällt er für die Zwölfte der Meldeliste ja ausgerechnet in Birmingham, wo die 23-Jährige direkt im Finale der 25 Qualifizierten steht und sicher von der Pace der Konkurrentinnen profitieren kann.

Ziel: „Erstes Ziel ist der österreichische Rekord, den will ich brechen, Top-10 wäre das nächste Ziel. Aber man kann bei Meisterschaftsrennen ja nie vorhersagen ob sie schnell oder taktisch werden. Ich freue mich schon auf meine erste EM bei den ´Großen´ und in einem starken Rennen zu laufen. Ich hätte mir vor der Saison nie vorstellen können bei der EM dabei zu sein. Dabei sein ist nach der guten Saison aber nicht genug, ich möchte mit einer Top-Platzierung und einer Top-Zeit nach Hause fliegen.“  

Andreas Vojta – Marathon PB 2:13:43 Std (2023) / SB 2:15:07 Std

Genauso wie Daniele Meucci (ITA/Marathon), Eivind Henriksen (NOR/Hammerwurf) und Dimitrios Tsiamis (GRE/Dreisprung) wird Andreas Vojta in Birmingham seine bereits achte Freiluft-EM bestreiten, das haben zuvor noch keine männlichen Athleten geschafft. Was den Niederösterreicher aber heraushebt: er wird der erste Athlet sein, der neben acht Teilnahmen auch in fünf verschiedenen Disziplinen angetreten ist. Nach 1.500m (2010-2016), 5.000m (2018), 10.000m (2022) und Halbmarathon (2024) geht es für ihn jetzt auf die Marathonstrecke. Auch hier hat der mit 37 Jahren Älteste im ÖLV-Team in den letzten Jahren konstant gute Zeiten erzielt, er ist aber eigenen Angaben zufolge noch immer auf der Suche nach dem „perfekten Marathon“. Bei der EM zählt aber vorrangig die Platzierung, schnelle Zeiten wird der eckige Kurs mit insgesamt rund 700 Höhenmetern sicher nicht zulassen.

Ziel: „Es ist sicher mit den Höhenmetern und den vielen Kurven kein ´normaler´ Marathon, daher kann man Zeiten und Platzierungen nur sehr schwer einschätzen. Im Vergleich zur Entry-List möchte ich mich auf jeden Fall verbessern. In der Vorbereitung in Tirol habe ich gesehen wie sehr die Bergauf-Passagen weh tun können, da werden sicher einige Läufer explodieren. Nachher möchte ich sagen können, dass ich das Rennen gescheit gelaufen bin.“

Christania Williams – 100m PB 10,96s (2016) / SB 11,06s & 4x100m

Das Strahlen in den Augen von Christania Williams nach ihrem Sieg bei den Staatsmeisterschaften über 100m war außergewöhnlich, hatte sie doch gerade den ersten nationalen Titel in ihrer langen Laufbahn gewonnen. Dazu kam der neue ÖLV-Rekord über 100m und auch mit der 4x100m-Staffel darf sich die gebürtige Jamaikanerin jetzt als rot-weiß-rote Rekordhalterin bezeichnen. Eine extrem starke Saison von Williams also bisher, obwohl diese bedingt durch die mental und körperlich sehr fordernde Winter-Olympia-Teilnahme im Zweierbob um einige Wochen verzögert begonnen hatte. Die 31-Jährige ist also endgültig in der heimischen Sportwelt angekommen und will jetzt auch bei ihrer ersten Leichtathletik-EM aufzeigen. Den Vorlauf über 100m spart sie sich aber gleich einmal, weil sie aufgrund ihrer Ranglisten-Position fix fürs Semifinale gesetzt ist.

Ziel: „Da ich den Vorlauf nicht bestreiten muss ist meine Aufgabe etwas leichter. Ich will jedenfalls ins Finale kommen und eine neue Saisonbestleistung oder sogar persönliche Bestleistung laufen. Aber ich will gar nicht zu viel darüber nachdenken und mir keinen Druck machen.“

Eva Wutti – Marathon PB 2:30:43 Std (2020) / SB 2:36:22 Std

Die Kärntnerin feiert in Birmingham ihr EM-Debüt in der Leichtathletik, auf Europa- und Weltniveau war sie früher auch schon als Triathletin international erfolgreich gewesen. 2021 scheiterte Eva Wutti´s Versuch sich für die Olympischen Spiele im Marathonlauf zu qualifizieren nur knapp, mit 2:30:43 Std konnte sie im Dezember 2020 aber den damaligen ÖLV-Rekord von Andrea Mayr egalisieren. Die nun 37-Jährige hat heuer bereits zwei Marathons in den Beinen, erst lief sie im April in Wien, dann im Mai in Salzburg. Fun Fact: in jenem Rennen, in dem Wutti 2020 den Rekord aufstellte, feierte ihre jetzige Teamkollegin und aktuelle Rekordhalterin Julia Mayer ihr Marathon-Debüt.

Ziel: „Eine bestimmte Platzierung habe ich mir nicht vorgenommen. Ich hoffe, dass ich mein gutes Gefühl, das ich im Training der letzten Monate aufgebaut habe, im Rennen abrufen und den Marathon von Anfang bis Ende konstant durchlaufen kann.“

4x100m-Staffel Frauen – PB/SB 43,11s

Gleich zwei Mal verbesserte die weibliche ÖLV-Auswahl heuer den ÖLV-Rekord über 4x100m, mit ihren 43,11s in Regensburg liegt man jetzt in der europäischen Jahresbestenliste sogar auf Rang 8 und hat damit realistische Chancen auf einen Finaleinzug in Birmingham. Dort ist man schon zum dritten Mal in Serie nach 2022 München und 2024 Rom mit dabei, jetzt soll der große Wurf gelingen. Christania Williams, Magdalena Lindner, Karin Strametz und Isabel Posch sind als Quartett gesetzt, Christiane Krifka ist als Ersatzläuferin mit dabei.

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06/08/26 12:28, Text: Georg Franschitz

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