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Systemfehler Geburtsdatum?

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Im Rahmen umfangreicher Recherchearbeiten untersuchte ÖLV-Praktikantin Kristina Labner die durch ÖLV-AthletInnen erreichten Qualifikationsnormen für die U18-EM in Györ/HUN 2018 bezogen auf die Jahre 2012-2018. Dabei wurde untersucht, ob eine Diskrepanz zwischen "früh" und "spätgeborenen" AthletInnen besteht.
In vergleichbaren Studien im Fußballbereich kam man zu dem Ergebnis, dass früh im Kalenderjahr geborene Fußballer in Summe erfolgreicher sind.

Dass manche Talente am eigenen Geburtstag scheitern, wurmt vor allem den U16-Trainer des österreichischen Fußball-Nationsteams, Martin Scherb. Unter der Headline "Der Systemfehler im Nachwuchsfußball: Spät geboren, früh verloren" publizierte derstandard.at im November 2018 einen Artikel zur Problematik des relativen Alterseffekts (RAE).

Der RAE beruht auf der Tatsache, dass Nachwuchsmannschaften nach Stichtagen eingeteilt werden. Dieser benachteiligt spät im Kalenderjahr geborene Nachwuchskicker. 

Wie sieht dies nun speziell in der Leichtathletik aus?

Auch in der Leichtathletik werden AthletInnen nach Kalenderjahren eingeteilt und sind somit in der jeweiligen Altersklasse startberechtigt - national wie international. Zur Veranschaulichung dient ein kleines Beispiel:

Unter Artikel 1603.3. der European Athletics U18 Championships Regulations wird festgehalten, dass ausschließlich mindestens 16-jährige bzw. maximal 17-jährige mit Stichtag 31. Dezember des Jahres der Veranstaltung startberechtigt sind.

Wie eingangs erwähnt wurden die Jahre 2012 - 2018 herangezogen und gemessen an den durch ÖLV-AthletInnen erbrachten Limits in Jahresquartalen ausgewertet:

Jahr 1. Quartal 2. Quartal 3. Quartal 4. Quartal
Geschlecht m w m w m w m w
2012 11 0 6 9 1 2 3 5
2013 11 5 5 8 5 2 0 4
2014 11 6 5 6 1 4 3 5
2015 6 13 1 7 4 10 4 4
2016 7 6 3 1 1 10 2 6
2017 8 11 3 9 1 4 3 9
2018 6 9 5 8 2 2 2 4
Summe 60 50 28 48 15 34 17 37

Im ersten Halbjahr geborene AthletInnen erbrachten in Summe 186 Limits, im zweiten Halbjahr geborene im Vergleich dazu nur 103.
Klar ersichtlich ist somit auch in der Leichtathletik, dass in den ersten beiden Quartalen Geborene definitiv stärkere, motorisch bereits besser entwickelte und erfolgreichere AthletInnen sind.
Jedoch bestätigen Ausnahmen bekanntlich die Regel. Sarah Lagger ist eine dieser Ausnahmen, welche unschwer zu erkennen ist. Geboren im 3. Quartal, zeichnete Lagger für nicht weniger als alle 10 Limits im 3. Quartal 2015 sowie 8 Limits 2016 verantwortlich. Gemessen an allen im zweiten Halbjahr (2012-2018!) erbrachten Limits macht dies exakt 18,54 Prozent aus - ein imposanter Wert.

Wo gehen die Talente verloren?

Sich Ziele zu setzen ist ein wichtiger Teil des Sports, in besonderer Ausprägung des Leistungssports. Die Qualifikation für einen großen internationalen Wettkampf wäre ein solches Ziel. Auf die Reise ein internationales Großevent zu erreichen begeben sich zahlreiche Nachwuchs-AthletInnen. Klar ist aber, und war es auch immer schon, dass diese Teilnahme nicht jedem gegönnt sein kann und wird.

Sollte das Ziel nicht erreicht werden (können), hat dies neben diversen externen Einflüssen (professionelle Trainingsmöglichkeiten) oftmals auch personenspezifische Gründe. Eigenschaften wie Talent, körperliches Leistungspotential, mentale Komponenten und das soziale Umfeld spielen dabei wichtige Rollen - um nur ein paar Punkte zu nennen.

Klar ist jedoch, dass einem im Dezember geborenen Athleten, rund elf Monate der motorischen Entwicklung auf im Jänner geborene Athleten fehlen. Dies könnte auch einer in der Leichtathletik wichtiger Grund sein, wie bereits im derstandard.at Artikel erwähnt wurde.

Welche Chancen haben Jüngere?

Wie bereits erwähnt, sind die Regularien von European Athletics eindeutig und lassen somit auch keinen Spielraum zu.

Die Frage sollte demnach sein, wie man AthletInnen trotzdem "mitnehmen" kann, welche auf Grund des Geburtsmonats z.B. körperlich noch keine Chance haben, "Gleichaltrigen" Paroli bieten zu können.

Einer der entscheidenden Faktoren ist dabei mit Sicherheit die Qualität des Trainers/der Trainerin. Nur geschulte TrainerInnen haben ein Auge dafür, ob die Leistungsfähigkeit auf Grund der zu diesem Zeitpunkt vorhandenen, motorischen Entwicklung noch begrenzt ist, aber Talent und die richtige Einstellung definitiv vorhanden sind oder nicht.

Sollte diese wichtigen Komponenten vorhanden sein, gilt es den Athleten auf jeden Fall weiterhin zu motivieren. Auch wenn sich die Erfolge im ersten Moment nicht einstellen (können), bleibt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Erfolge noch kommen werden, sobald die Defizite aufgeholt werden.

Hinweis: Mehrfach-Erbringungen der Limits kamen in der Auswertung vor.

16/04/19 15:42, Text: Bernhard Rauch

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